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Bild: Jens Schulze 

Arbeit mit Flüchtlingen: „Willkommen war gestern, heute ist Integration“

Bericht 24. Mai 2016
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Bild: Jens Schulze

Dr. Christoph Künkel, Vorstand des Diakonischen Werks Evangelischer Kirchen Niedersachsen (DWiN), ergänzte die Ausführungen um die Perspektive aus der Diakonie:
Still sei es geworden in Deutschland. In den Stunden, in denen die Synode tage, werde gerade das Flüchtlingslager in Idomeni geräumt. Zwar habe die Kontroverse um das Gedicht Jan Böhmermanns den Blick auf den türkischen Präsidenten Erdogan geschärft, aber es sei auch eine menschenverachtende Sprache dadurch gefördert worden. „Europa aber schweigt sich aus, jeder in seinem Land. Zäune aber sind keine Lösungen für Menschen in Not. Zäune gefährden das europäische Projekt und die europäischen Werte.“

„Willkommen war gestern, heute ist Integration“, so Künkel weiter. Dabei wüssten Kirche und Gesellschaft aber noch nicht richtig, was Integration der Neuangekommenen meine und auch nicht genau was die Neuankommenden wollten. Die Arbeit des Diakonischen Werks und der Landeskirche ruhe deswegen auf drei Säulen: Es gebe die diakonische Säule, die Flüchtlingssozialarbeit in den Kirchenkreisen als zweite Säule und als dritte Säule die drei überregionalen Projekte in Friedland, Hannover und Oerbke.

Für die Projektarbeit in Kirchenkreisen und Kirchengemeinden seien insgesamt 300.000 Euro zur Verfügung gestellt worden. Dieses sei für viele Projekte genutzt worden, auch zur Umsetzung von Ehrenamtskoordination in den Kirchenkreisen und Kirchengemeinden. Der Mittelabruf zeige, dass die Projekte in den Kirchenkreisen und Kirchengemeinden exemplarisch erfolgreich umsetzt werden konnten.

Auch die Flüchtlingssozialarbeit solle verstetigt werden. „Wir brauchen das ehrenamtliche Engagement. Wir wollen, dass die KG und KK weiterhin die Möglichkeit haben, einfach Projekte umzusetzen. Deswegen sollen die Projektfinanztitel so bleiben und durch die Mittel des Landes ergänzt werden.“ Der Vorschlag für den kommenden Haushalt sei, die eingeplanten Mittel für Flüchtlingsarbeit im nächsten Jahr von drei auf zwei Millionen Euro zu kürzen, für eine Million Euro aber einen Sperrvermerk im Haushalt anzugeben, so dass es möglich werde, flexibel auf Veränderungen und vielleicht auftretende Notwendigkeiten zu reagieren.

Besondere Kompetenzen habe Kirche und Diakonie vor allem bei der Bildung und im Feld der Sozialen Arbeit. Es gebe in Niedersachsen rund 13.000 Kinder aus geflüchteten Familien, die einen Anspruch auf einen Krippen- oder Kindergartenplatz hätten. Mit 400.000 € sollen Kindertagesstätten unterstützt werden, in denen Kinder aus Flüchtlingsfamilien betreut werden.

Da Diakonie und Landeskirche einig darin seien, dass Kindergartengruppen nicht größer als 25 Kinder sein sollten, geschehe diese Förderung auch deswegen, um ein Zeichen Richtung Landesregierung zu setzen, dass eine maximale Kindergartengruppengröße von 25 Kindern nicht überschritten werden sollte.

Abschließend machte Künkel auf zwei Punkte aufmerksam: Zum einen gelte es, Neiddebatten zu vermeiden, auch in Blick auf die Arbeitsfelder der Diakonie. Zum anderen sein es weiterhin wichtig, sich bewusst zu werden, dass ehrenamtliche Arbeit anstrenge: Sie strenge die ehrenamtlich Tätigen an, aber auch die die sie begleiteten. Integration dauere Zeit und sei ein langfristiger Prozess, es ist nicht einfach, sich in die Lebenssituation der Flüchtlinge einzufühlen. „Was ist das theologisch verantwortete Modell von Integration“ – das ist die wichtige Frage, so Künkel.