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 Bild: Jens Schulze

Kirche und Diakonie bringen Dinge Schulter an Schulter voran

Bericht 24. November 2015

Kirche und Diakonie in Niedersachsen arbeiten in vielen Bereichen ausgesprochen gut zusammen. Diese Bilanz zog Dr. Christoph Künkel, der als Vorstandssprecher den Tätigkeitsbericht des Diakonischen Werkes evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V. (DWiN) vorstellte. Eine Premiere, wie er betonte, denn es war der erste Bericht seit dem Zusammenschluss der bisher eigenständigen Diakonischen Werke. „In anderen Bundesländern ist das Verhältnis zwischen Kirche und Diakonie angespannt – nicht so bei uns. Wir bringen Dinge Schulter an Schulter voran“, betonte Künkel und verwies als ein Beispiel auf gemeinsam realisierte Projekte in der Flüchtlingsarbeit.

Demnach stehe es gut um die Diakonie – für die Menschen, die benachteiligt seien, stehe es allerdings schlecht um die Diakonie. „Wir haben mehr Arme, mehr alte Menschen, die sich sorgen, ins Pflegeheim zu müssen, eine höhere Jugendarbeitslosigkeit.“ Gerade vor diesem Hintergrund sei es wichtig, sich immer wieder einzusetzen. „Diakonie kostet – und das schon immer“, betonte Künkel. „Wichtig ist, dass menschliche Solidarität verbunden ist mit wirtschaftlicher Solidität.“ Nicht zu unterschätzen sei der wichtige Beitrag, den die Diakonie mit ihrer Arbeit für den sozialen Frieden in Deutschland leiste, darauf wies Bodo von Bodelschwingh (Osnabrück) in der anschließenden Aussprache hin. Durch den Zusammenschluss verfügt die Diakonie in Niedersachsen nun über rund 3.000 Einrichtungen und Dienste mit 70.000 hauptamtlich Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Euro (2013). Durch den Zusammenschluss habe das DWiN den Spitzenplatz in der Freien Wohlfahrtspflege eingenommen. Dabei sei es unerheblich, in welcher Gesellschaftsform die einzelne Institution agiere. „Wir sind eine Einrichtung“, so Künkel ausdrücklich.

Menschen die Teilhabe am alltäglichen Leben zu ermöglichen, sei ein wichtiger Auftrag der Diakonie. „Armut ist sowohl global als auch in Deutschland eine Herausforderung“, so Künkel. Der Weg aus der Armut gehe nur über Bildung und Teilhabe, ergänzte Schuldezernentin Dr. Kerstin Gäfgen-Track. „Die Weiterentwicklung unserer Förderschulen in Zeiten der Inklusion ist eine Hürde, an der wir arbeiten müssen.“ Mehr als hundert Schulen stehen in diakonischer Trägerschaft, sie seien „ein ungehobener Schatz“, ebenso wie die Jugendwerkstätten, die durch geänderte Rahmenbedingungen derzeit in ihrer Existenz gefährdet seien, so Künkel. „Dabei werden sie gerade angesichts der jungen Flüchtlinge, die zu uns kommen, wieder wichtiger.“

Eine entscheidende Rolle komme der Diakonie zudem in der Pflege zu. „Hier müssen wir dringend einen Weg aus der Abwärtsspirale der Löhne finden“, plädierte Christoph Künkel. Nach wie vor herrsche in der Pflege ein Wettbewerb, der auf einem möglichst niedrigen Lohnniveau der Beschäftigten aufbaue. Es bedürfe einer Abkehr von diesem Wettbewerbsmodell hin zu einem Leistungs- und Qualitätswettbewerb. In diesem Zusammenhang verwies Künkel auf die neue Partnerschaft des DWiN mit der Gewerkschaft ver.di und die Neugestaltung des Arbeitsrechts mit einem kirchengemäßen Tarifvertrag, der den „dritten Weg“ berücksichtige. „Diese Zusammenarbeit war der richtige Weg – das sieht man unter anderem daran, dass wir keine negativen Schlagzeilen in der Presse mehr machen.“

Gleichzeitig steht die Diakonie vor der Frage, wie sie Nachwuchskräfte anwerben kann. Durch den Wegfall des Wehrdienstes und damit auch des Zivildienstes sei es weitaus schwieriger geworden, junge Menschen für soziale Berufe zu begeistern. Dennoch bezeichnete Künkel gerade das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) als Erfolgsmodell. Im Jahrgang 2014/15 haben insgesamt 493 junge Menschen ein FSJ im DWiN absolviert, weitere 300 kamen über den Bundesfreiwillligendienst zur Diakonie.

Der Antrag, den Tätigkeitsbericht an den Diakonieausschuss federführend zu überweisen, wurde mit großer Mehrheit angenommen.