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 Bild: Jens Schulze

Nachwuchs gewinnen

Bericht 27. November 2014
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Bild: Jens Schulze

Die Hannoversche Landessynode will sich weiter mit der Gewinnung theologischen Nachwuchses beschäftigen. Sie beschloss einmütig am Freitag 28. November, das Thema "Vernetzung des Theologiestudiums und der theologischen Forschung mit der kirchlichen Aus- und Fortbildung" und die Förderung des theologischen Nachwuchses dem Ausschuss für kirchliche Mitarbeit zur weiteren Beratung zu überweisen. Zuvor hatte Oberlandeskirchenrat Michael Wöller über Maßnahmen und geplante Kampagnen berichtet. Eine lebhafte Debatte mit vielen Wortmeldungen schloss sich an.

Mittel- bis langfristig sei ein signifikanter Nachwuchs-Mangel zu erwarten. "Kann man den Trend umkehren?" fragte Wöller. Pastor Mathis Burfien kümmere sich seit einem Jahr um die Nachwuchswerbung. Es gebe Kurztagungen mit Schülerinnen und Schülern und die neue Homepage www.theologie-studieren.de. Auf (Berufs-)Messen und beim Landesjugendamt sei Burfien mit einem Info-Stand vertreten, so Wöller. Werbevideos und Merchandising-Artikel seien in Arbeit. Geplant sei ab März die Kampagne "Spread the word". Eine Arbeitsgruppe kümmere sich zudem um verschiedene kirchliche Berufe und plane eine Internetbörse für Praktika. In einem Kunstprojekt solle 2016 unter anderem eine beste Jugendandacht ermittelt werden.

In einer Präsentation waren Statements von Theologiestudierenden zu hören. Die Kommunikationsstrategie gehe von einem "Mehrwert der Theologie" aus, so Wöller. Sie weite den Blick auf Gott und die Welt und behandele existenzielle Fragen. Im Rahmen der Kampagne erhalten mögliche Theologiestudierende ein "Scrapbook", eine Art Lebensbuch und ein Jahresprogramm der Arbeitsstelle  überreicht. Die Kampagne ruhe auf den Säulen: "Wegbegleiter sein" beispielsweise mit Seminaren, Multiplikatoren gewinnen (unter anderem durch Netzwerkarbeit) und "attraktiv sein". "Es braucht die Unterstützung derjenigen, die in direktem Kontakt mit jungen Menschen stehen. Dies ist eine gemeinschaftliche Aufgabe der Kirche" so Wöller.

In der Debatte betonte Professor Dr. Florian Wilk aus Göttingen-Rosdorf: Auch das Theologiestudium müsse attraktiv sein. Dies könne die Landeskirche unterstützen.

Pastor Dr. Uwe Brinkmann aus Osterode meinte: "Es ist reichlich genial, was sie hier tun, Herr Burfien". In der Landeskirche werde aber noch zu wenig überlegt, wie man den Pfarr-Arbeitsplatz attraktiv für Gemeinde, Pastoren und deren Familie machen könne.

Professorin Dr. Hanna Löhmannsröben, Superintendentin in Wolfsburg, fragte: "Wie kommt es, dass uns Studienabbrecher verlorengehen?" Wöller antwortete: Die Studienabbrecherquote liege mit 25 Prozent im Vergleich relativ niedrig. "Wir gehen jedem Abbruch nach, wenn wir davon erfahren". Löhmannsröben meinte, die Wege von Spätberufenen sollten qualifiziert begleitet und kommuniziert werden, was die Synode auch weiterverfolgen will. Wöller bestätigte, dass dies jetzt ein "vordringliches Thema geworden" sei.

Abt Horst Hirschler aus Loccum meinte: Pastoren in der Gemeinde, wenn sie nur klagen, machten den Beruf nicht attraktiv. Wenn sie zeigten, dass sie vom Inhalt begeistert sind, sei dies anders. "Wir sind in der Wirklichkeitsbetrachtung ganz vorne. Vieles haben wir am tiefsten durchdacht". Die Hauptsache des Glaubens sollte sich in der Werbung niederschlagen.

Der Theologiestudent und Jugendsynodale Jonas Jakob Drude aus Göttingen berichtete: Unter seinen Kommilitonen seien viele, die sich eine Arbeit im Gemeindepfarramt nicht vorstellen können. Es gelte das spezifische Profil des Pfarrberufes - auch mit Spezialgebieten - zu schärfen. Das Erlernen der drei alten toten Sprachen zu Studienbeginn seien ein "Schreckensfaktor".

Christine Lührs aus Rehden meinte, schon Jugendliche sollten ein Praktikum im Pfarrhaus machen. Ein Pastor müsse "unsere Sprache sprechen und uns in schwierigen Situationen auffangen können". Durch Drei-Monats-Praktika im Studium könne man hier Einblicke bekommen. "Wir haben nichts davon, wenn wir Pastoren haben, die die harte Arbeit an der Basis nicht machen können".

Rolf Bade aus Hannover erinnerte: Ein Motiv für das Theologiestudium sei der Religionsunterricht, der deshalb gesichert werden müsse.