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Bild: Jens Schulze

Bibelarbeit über Joh. 18, 28-40 zum Thema „Religion/Kirche und Politik“ durch Prof. Dr. Friedrich Hauschildt

Bericht 25. November 2014
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Bild: Jens Schulze

Mit einer Bibelarbeit führte der Präsident des Kirchenamtes der VELKD, Professor Dr. Friedrich Hauschildt, die Synode in das Thema des Vormittages ein. Als Nachklang zum Jahresthema in der Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017 „Reformation und Politik“ stand an diesem Vormittag das Thema „Religion/Kirche und Politik“ im Mittelpunkt der Synodentagung.

„Als Kirchenleute orientieren wir uns an der Heiligen Schrift. Wir halten Ausschau nach Aufklärung aus Gottes Wort, suchen Klarheit und Weisung aus Gottes Wort“, begann Dr. Hauschildt seine Ausführungen über Johannes 18, 28-40, in der Vertreter des Hohen Rates ihre Anklage gegen Jesus vor Pilatus bringen. Das Todesurteil konnte nur durch die staatliche Gewalt vollstreckt werden, das heißt in der Besatzungszeit durch die Römer benötigte der Hohe Rat die Hilfe des römischen Statthalters Pilatus. Dazu wurde die eigentlich religiöse Anklage gegen Jesus in den Bereich des Politischen gezogen, als erhebe er einen politischen Machtanspruch und werde so zu einer Gefahr für die Besatzungsmacht. Das sollte im Verhör vor Pilatus geprüft werden.

Aus dieser biblischen Geschichte sei keine umfassende Theorie über das Verhältnis von Kirche und Politik ableitbar, aber sie werfe vier wichtige Schlaglichter auf dieses Thema, stellte Hauschildt fest.

Auch wenn die Bibelgeschichte nicht unmittelbar in die heutige Zeit übertragen werden könne, so pointiere sie doch Mängel im Verhältnis von „Religion/Kirche und Politik“, die auch heute noch bestehen. Es müsse aber beachtet werden, dass wir uns heute in einer anderen Situation befinden. Wir leben in einer gewissen Spielart der Trennung von Staat und Kirche. Politik und Zivilgesellschaft waren im Bibeltext noch nicht unterschieden. Aufgabe der Politik heute sei es, die menschlichen Verhältnisse so zu koordinieren, dass wir in Freiheit leben können, Möglichkeiten der Daseinsvorsorge und Gerechtigkeit zu gewährleisten. Eine wichtige Aufgabe der Kirche sei die Übertragungsleistung, wenn sie biblische Einsichten sorgfältig deute. Das gehöre zum Motto „Am Anfang war das Wort“ und „sola scriptura“, das durch das Reformationsjubiläum erneut unterstrichen werde.

Beim Betrachten der drei Gesprächsgänge, in denen über Jesu Verhör vor Pilatus berichtet wird, werde deutlich, dass das Gespräch zwischen Pilatus und Jesus der Wahrheitsfindung diene. Als christliche Kirche müssten wir uns daher fragen lassen, ob wir es schaffen, in der öffentlichen Kommunikation die Wahrheit zur Geltung zu bringen. Solch eine Kommunikation sei Aufgabe der Kirche.

Als Drittes stellte Hauschildt heraus, dass dieser Text aus dem Johannesevangelium nicht das jüdische Volk oder die Römer diskreditiere, sondern uns selbst den Spiegel vor Augen halte. Auch bei uns gebe es politische Ränkespiele wie hier zwischen den Vertretern des Hohen Rates und Pilatus, eine Vermischung von Politik und Religion, den Missbrauch von Religion oder das Anliegen den Gegner auszuschalten.

Als letzte Schlussfolgerung seiner Bibelarbeit führte Präsident Hauschildt eine Handlungsmaxime der EKD an: „Nicht Politik machen, sondern Politik möglich machen.“ Eine Doppelbewegung des Unterscheidens von „Religion/Kirche und Politik“ und des Aufeinanderbeziehens sei gefordert. Hier sei für ihn nach wie vor Martin Luthers Unterscheidung der zwei Wirkweisen Gottes in den zwei Regimenten hilfreich. Beachtet werden müsse auch die Spannung, in der wir als Christen leben, nicht von dieser Welt zu sein, aber in dieser Welt zu leben. Der Horizont der Ewigkeit müsse im Blick bleiben, in dem wir nicht Politik machen, sondern möglich machen.

„In der kommenden Adventszeit stellen wir uns darauf ein, dass Gott Mensch wird und ganz in diese Welt eingeht“, beendete Hauschildt seine Bibelarbeit.