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Bild: Jens Schulze

Bericht Bischofsvikar: „Atomenergie ist nicht menschengerecht“

Bericht 24. November 2010
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Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen, Landessuperintendent im Sprengel Lüneburg 

Vom friedlichen Protest gegen das geplante Endlager für Atommüll im wendländischen Gorleben zeigte sich Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen in seinem Bericht am 25.11.2010 vor der Landessynode beeindruckt.

Jantzen, der als Landessuperintendent für den Sprengel Lüneburg selber vor Ort war, konstatierte, dass beide Seiten - Polizei und Demonstranten - sich um einen friedlichen Protest bemüht hätten.
„In meinen Augen ist der stark angewachsene Widerstand die Quittung für den Ausstieg aus dem Atomausstieg.“

Die Kirche habe ein „Wächteramt“ und es sei ihre Aufgabe, die Regierenden an ihre Verantwortung vor Gott und den Menschen zu erinnern. In Wahrnehmung dieses Wächteramtes wären daher beide großen christlichen Kirchen der Überzeugung: „Die Atomenergie ist nicht menschengerecht und wegen ihres zu hohen Gefahrenpotenzials nicht zu verantworten. Zeiträume von bis zu einer Million Jahre, in denen der strahlende Müll sicher verwahrt werden muss, übersteigen unseren menschlichen Zeit- und Verantwortungshorizont. Wir haben keine Ethik dafür.“

Ihm sei aber bewusst, so Jantzen weiter, dass Christen in eigener Glaubensverantwortung einen anderen Standpunkt zur Kernenergie einnehmen könnten. „Das können und werden wir gemeinsam aushalten.“
Er verwies in seinem Bericht noch einmal auf den Willen der Landessynode, die Erkundung des Gorlebener Salzstocks nicht nach Bergrecht, sondern nach Atomrecht laufen zu lassen, da dies eine stärkere Beteiligung der Bürger und der Träger öffentlicher Belange vorsehe.

Mit der Klage beim Verwaltungsgericht Lüneburg, die u.a. auch von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Gartow, in deren Gebiet Gorleben liegt, eingegangen ist, solle nicht das Endlager um jeden Preis verhindert werden. „Ziel der Klage ist es, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären, unter denen der Salzstock weiter erkundet wird.“ Sollte sich am Ende eines transparenten und ergebnisoffenen Verfahrens Gorleben als am besten geeigneter Standort erweisen, werde die Landeskirche dies akzeptieren.

"Kirche mischt sich also ein aus Sorge um die Schöpfung und die Menschen".

Der leitende Geistliche betonte abschließend, dass Kirche kein „Nein-Sager“ sei. „Wir sagen vielmehr Ja zu einem zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien, zu drastischen Energieeinsparungen sowie zu einem nationalen oder europäischen Entsorgungskonzept.“

Jantzen dankte unter Beifall allen Seelsorgern, die am Rande der Demonstrationen rund um die Uhr deeskalierend gewirkt haben.