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Bild: Jens Schulze

Landesbischöfin hebt Bedeutung des kirchlichen Amtes hervor

Bericht 23. November 2005

Mit einem ausführlichen Abschnitt unter der Überschrift „Das geistliche Amt in unserer Kirche“ hat Landesbischöfin Margot Käßmann in ihrem Bericht vor der in Hannover tagenden Landessynode dafür plädiert, „die verschiedenen Ämter zu unterscheiden“. Ein Anlass für die theologischen Überlegungen war die in der Vergangenheit diskutierte Frage, „ob es nicht andere, neue Zugänge zum Pfarramt geben müsse und ob nicht auch Nicht-Ordinierte verstärkt zur Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung beauftragt werden sollten“. Angesichts der kirchlichen Finanzen sei zu fragen, wie viel „Verzicht“ auf ordinierte Pastorinnen und Pastoren sich die Kirche leisten könne, wenn sie ihrem Auftrag entsprechen wolle. Allerdings sei das Verhältnis des Pfarramtes zu anderen Ämtern und Diensten der Klärung bedürftig.

Die Landesbischöfin erinnerte in dem Zusammenhang an das Erbe der Reformation. Danach sei die Verkündigung des Evangeliums der Kirche als ganzer und ihren einzelnen Mitgliedern aufgetragen. „Um der ständigen und öffentlichen Verkündigung des Evangeliums willen und zur Wahrung der rechten Lehre aber beruft die Kirche Einzelne aus ihrer Mitte, die diese allen gemeinsam aufgetragene Bezeugung Jesu Christi öffentlich wahrnehmen“, betonte Käßmann die besondere Aufgabe des ordinierten Amtes. Ausdrücklich wandte sich die Bischöfin gegen „Abstufungen im Sinne einer geistlichen Kompetenzhierarchie“. So obliege sowohl die Leitung der Ortsgemeinde als auch das übergemeindliche Aufsichtsamt (griechisch: Episkope) nicht allein Ordinierten, sondern auch synodalen Repräsentationsorganen.

Margot Käßmann setzte sich für „klare Anforderungen an die theologische Kompetenz der Amtsträgerinnen und Amtsträger“ ein, „um dialog- und seelsorgefähig zu bleiben“. Neben der „Bildungsanforderung“ sei auch an einer „Anforderung an die Lebensform“ festzuhalten. Das Verständnis der Ordination als Weihesakrament lehnte die Bischöfin indes ab. Die Ordination sei „eine Bevollmächtigung durch Gott und eine Berufung durch die Gemeinde“. Ordinierte stünden in der „Apostolischen Sukzession“ – diese werde nach evangelischem Verständnis als „Treue zur Lehre der Apostel, als Nachfolge in der apostolischen Lehre und Sendung“ gedeutet.

Die Bischöfin erinnerte an die Diskussion in der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-lutherischen Kirche (VELKD), in der zwischen „Ordination“ und „Beauftragung“ unterschieden wird. Die ordnungsgemäße Berufung („rite vocatus“ bzw. „rite vocata“) sei in jedem Fall Voraussetzung für die öffentliche Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Im Unterschied zum ordinierten Amt handele es sich bei dem Dienst von Prädikantinnen und Prädikanten, Diakoninnen und Diakonen sowie Lektorinnen und Lektoren „um einen im Blick auf die Eigenständigkeit und auf Dauer und Ort begrenzten Dienst“. Die Bischöfin plädierte dafür, Prädikantinnen und Prädikanten „aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzung“ auch weiter zu „beauftragen“ und nicht zu ordinieren.

Zwar komme dem Pastorenamt eine „Schlüsselrolle“ auf, nahm Käßmann ein Reizwort der innerkirchlichen Debatte auf, „und zwar theologisch gesehen“. Allerdings sollte dieser Begriff nicht in einen Streit unter Berufsgruppen münden. „Der Pastor ist nicht die Diakonin, die Pastorin kann den Küster nicht ersetzen, der Pfarrer nicht die Kirchenmusikerin.“ Die Kirche brauche eine Vielzahl von Gaben und Diensten, um lebendig zu sein.