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Bild: Jens Schulze

Was wird aus der Konföderation?

Bericht 23. November 2009

Synode diskutiert Zusammenarbeit der evangelischen Kirchen in Niedersachsen

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Burkhard Guntau, Präsident des Landeskirchenamtes, bringt den Bericht zur Lage der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen ein. (Foto: J. Schulze)

Nach dem Bericht des Kirchensenates zur Lage der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen soll die Frage einer möglichen Kündigung des Konföderationsvertrages durch die hannoversche Landeskirche zunächst sorgfältig von der Landessynode und ihren Ausschüssen beraten werden. Die Entscheidung sollte im Frühjahr 2010 fallen.

In einem ersten Abschnitt fasst der Bericht die Ereignisse dieses Jahres zusammen. Nachdem der Vorsitzende des Rates der Konföderation, Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber (Braunschweig), am 14. März 2009 eine Klärung über die Zukunft der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen angemahnt hatte und dieses Anliegen von den übrigen Leitenden Geistlichen sowie der Synode der Konföderation geteilt worden war, wurden die Gliedkirchen um ein Votum gebeten.

Während die reformierte Kirche Gesprächsbereitschaft signalisierte, lehnten die Synoden in Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe das erbetene Votum zur Erstellung eines Konzeptes und eines Zeitplans zur Schaffung einer Evangelischen Kirche in Niedersachsen zum jetzigen Zeitpunkt ab. Lediglich die hannoversche Landeskirche stimmte während ihrer Frühjahrstagung unmissverständlich zu.

Daraufhin stellte der Rat der Konföderation am 18. Mai 2009 fest: „Die Bildung einer gemeinsamen evangelischen Kirche in Niedersachsen ist in weite Ferne gerückt.“ Der Ständige Ratsausschuss werde Vorschläge machen, wie die fünf konföderierten Kirchen zukünftig zusammenarbeiten können.

Am 26. August 2009 wurde die Situation vom Präsidium der Konföderationssynode und dem Ständigen Ratsausschuss in einer gemeinsamen Sitzung erörtert. Bei der Gelegenheit wurden die Standpunkte der fünf Gliedkirchen referiert. Die hannoversche Landeskirche halte am Ziel einer Evangelischen Kirche in Niedersachsen fest. Die Konföderation solle indes nicht weiterentwickelt werden, da es hier „in den vergangenen Jahrzehnten keine substantiellen Fortschritte gegeben habe“.
Daraufhin bat der Rat der Konföderation den Ständigen Ratsausschuss, bis zum 14. März 2010 – der nächsten Synodentagung der Konföderation – Vorschläge zur künftigen Zusammenarbeit zu machen.

Nach dem Bericht des Kirchensenates sei nun abzuwarten, „wie konstruktiv sich die im Ständigen Ratsausschuss aufgenommene Arbeit gestaltet“. Aus hannoverscher Sicht sei kein Weg denkbar, an dessen Ende nicht die Evangelische Kirche in Niedersachsen steht. Eventuelle Zwischenlösungen müssten diesem Ziel dienen. Sofern sich die anderen Gliedkirchen auf einen solchen Weg nicht einlassen können, schlägt der Kirchensenat die Kündigung des Kooperationsvertrages vor.

Eine Beendigung der Konföderation würde für die hannoversche Landeskirche nach Einschätzung des Kirchensenates mehr Vor- als Nachteile bringen. Die hannoversche Landeskirche sei „umfangreich für die Konföderation tätig“, die tatsächlichen Kosten würden von den anderen Gliedkirchen nur teilweise erstattet. Allerdings müssten die Folgen bedacht werden, zum Beispiel im Blick auf das Pfarrerdienstrecht, die gemeinsame Vertretung gegenüber dem Land Niedersachsen oder gemeinsame Aufgaben wie die Evangelische Erwachsenenbildung (EEB).

Sollte die hannoversche Landeskirche auf eine Kündigung des Konföderationsvertrages zugehen, sollte zugleich ausdrücklich am Ziel einer gemeinsamen Evangelischen Kirche in Niedersachsen festgehalten werden, schlägt der hannoversche Kirchensenat vor.

Im Blick auf eine evangelische Kirche in Niedersachsen sei eine Chance leichtfertig vertan worden, beklagte der Synodale Jörn Surborg (Wolfsburg) in der Aussprache zum Bericht des Kirchensenates. Die Landessynode sollte Schritte zur Auflösung des Konföderationsvertrages einleiten, um auf die Weise dem Ziel einer niedersächsischen Kirche näher zu kommen.

Der Synodale Gerhard Tödter (Deutsch Evern) sagte: „Wir wollen eine evangelische Kirche in Niedersachsen, aber in einem überschaubaren Zeitraum.“
Tödter stellte den Antrag, den Bericht zustimmend zur Kenntnis zu nehmen, dem Ausschuss für Schwerpunkte und Planung zur Beratung zu überweisen, dabei den Diakonie-, Bildungs- und Öffentlichkeitsausschuss einzubeziehen. Zudem möge der Rechtsausschuss die Auswirkungen prüfen, alle beteiligten Ausschüsse sollten der Synode im kommenden Frühjahr berichten.

Alt-Landesbischof Horst Hirschler warb um Verständnis für die kleineren Landeskirchen, in denen ein günstigerer Pfarrstellenschlüssel als in der hannoverschen Landeskirche gelte – dort werde mit 1.500 Gemeindemitgliedern pro Pfarrstelle gerechnet. „Es ist gut, wenn wir eine gewisse Sensibilität haben“, mahnte der Abt zu Loccum.

Landesbischöfin Margot Käßmann hielt dem entgegen: „Wir haben auch Kirchenkreise, die einen solchen Schlüssel hätten – ohne Solidarität mit ärmeren Kirchenkreisen.“ Zudem brauche die Kirche einen Überbau mit Experten zu speziellen Aufgaben- und Themenfeldern.
„Ich persönlich bin sehr traurig über diese Entwicklung.“
Nach den letzten Vorstößen vor 37 Jahren hätten Verhandlungen auf Augenhöhe möglich sein sollen. Die Hoffnung auf einen Neuanfang wolle sie trotz des Plädoyers für das mögliche Ende der Konföderation nicht aufgeben.

Die Synode stimmte dem Antrag des Synodalen Gerhard Tödter bei einer Enthaltung ohne Gegenstimmen zu.