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Bild: Jens Schulze

Kirchliche Bildungsverantwortung - "Glaube ist gebildeter Glaube"

Bericht 25. November 2009
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Schuldezernentin OLKRn Dr. Kerstin Gäfgen-Track.

„Für uns ist Glaube immer gebildeter Glaube“ sagte Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track zum Auftakt der – zum Teil kritischen - Bildungsdebatte am Donnerstag, 26. November 2009, in der Landessynode. Sie berichtete für das Landeskirchenamt über „kirchliche Bildungsverantwortung für Schulen in evangelischer und kommunaler Trägerschaft“.

Neben der perspektivischen Planung von bis zu 15 evangelischen Schulen bis 2020 gehe es der Landeskirche „um ein entschiedenes Engagement für kommunale Schulen“ nach dem Motto „suchet der Schule Bestes“, besonders im Jahr der Bildung 2010, so die Bildungsdezernentin weiter.

Nach Worten des Vorsitzenden des Bildungsausschusses der Landessynode, Rolf Bade (Hannover), gehe es nach evangelischem Verständnis um gleiche Bildungs-Chancen für alle und Teilhabegerechtigkeit. Schülerinnen und Schüler sollen so gebildet werden, dass sie als Christen aktive Mitglieder in der Zivilgesellschaft werden und Verantwortung für alle übernehmen, so Bade. Es gehe nicht um einen Rückzug aus Schulen in kommunaler Trägerschaft, wenn über mehr evangelische Schulen - als zurzeit vier in landeskirchlicher Trägerschaft - nachgedacht werde.

„Evangelische Religion ist ein eklatantes Mangelfach“ beklagte Bade. Es stehe „in der schulischen Alltagswirklichkeit zur Disposition“. „Da müssen wir den Staat in die Pflicht nehmen“. Im Fach Religion könne man den Stoff nicht im „Gestus der Besichtigung“ vermitteln. Die Lehrkräfte müssten die Fragen und Antworten als existentiell ansehen und beantworten können.

Der Synodale Jens Rannenberg (Gifhorn) fragte in der anschließenden Diskussion nach den Kosten für die Einrichtung evangelische Schulen einschließlich der Pensionsansprüche für Lehrkräfte.
Oberlandeskirchenrätin Gäfgen-Track antwortete, dass „evangelische Schulen qualitativ supergute Schulen sein müssen“, auch um anderen Schulen zu zeigen, wie eine gute Schule gemacht wird. Die wenigsten Lehrer an kirchliche Schulen seien Kirchenbeamte, weshalb Pensionszahlungen kaum in Aussicht ständen. Man dürfe nicht nur den Ausfall von Religionsunterrichts beklagen. „Wir müssen sagen, warum es ein tolles Fach ist“.

Die Synodale Dr. Karin Köhler (Diekholzen) berichtete als frühere Schulelternratsvorsitzende des Gymnasiums Andreanum in Hildesheim über Andachten, Gottesdienste und diakonische Praktika an der Schule. „Ich wünsche vielen Kindern, dass sie eine solche Schule besuchen dürfen“.

Die Synodale und Lehrerin Karin Aulike (Lüneburg) berichtete, dass an staatlichen Schulen die Strukturen es oft schwieriger machen, Religion erlebbar zu machen. Ein Raum der Stille sei zwar gewünscht, dürfe aber oft keine Symbole enthalten. Oder eine Fahrt zur diakonischen Einrichtung in Bethel falle zu Gunsten einer Berlin-Fahrt in der Oberstufe weg.

Der Synodale Jörn Surborg (Wolfsburg) fand, dass die Perspektive von 15 evangelischen Schulen erlaubt sein müsse. „Wir sollten und werden nicht Hürden aufbauen mit Fragen, die wir heute nicht beantworten können.“

Die Synodale Elisabeth Weiß (Einbeck) fragte, wie armen Familien trotz Schulgeld die Teilnahme ihrer Kinder an der evangelische Schule ermöglicht werden könnte und mehr Schulen, die nicht Gymnasium sind, evangelisch werden könnten.

Dr. Kerstin Gäfgen-Track sagte dazu: „Es gilt der eiserne Grundsatz: Der Schulbesuch an einer evangelischen Schule scheitert nicht am Geld“.

Der Sulinger Synodale und Lehrer Dr. Fritz Hasselhorn meinte, dass es passieren könnte, dass viele Eltern auf eine evangelische Schule ausweichen, um eine kommunale Schule mit hohem Ausländerkinderanteil zu meiden. Ihn störten im Bericht die Imperative mit „soll, muss und hat“, die Lehrer vom Kultusministerium kennen und darauf inzwischen dünnhäutig reagieren. Ihm leuchte auch nicht ein, warum in den Städten der Landessuperintendenturen evangelische Schulen entstehen sollten.

Rolf Bade antwortete, dass eine evangelische Schule offen für alle sei stehe nicht im Gegensatz dazu, dass man evangelische Verantwortungseliten bilden möchte.

Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann dankte Hasselhorn für seinen Beitrag und plädierte dafür, die Schulsituation zukünftig insgesamt deutlicher wahrzunehmen.