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Bild: Jens Schulze

Bericht der Landesbischöfin IV: Die Verletzung der Verletzbarsten war auf der Tagesordnung

Bericht 26. November 2008

Landesbischöfin gesteht Schuld der Kirche in Heimerziehung der Nachkriegszeit

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Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann

„Auch in kirchlichen Heimen wurde mit Gewalt erzogen, stellen wir mit großem Erschrecken fest“. Das sagte Margot Käßmann in ihrem Bericht unter der Überschrift „Heimkinder“.

Ausgelöst durch das 2006 erschienene Buch „Schläge im Namen des Herrn“ von Peter Wensierski hatte die Landesbischöfin das Diakonische Werk damals um eine Überprüfung der Praxis in kirchlichen Heimen der Nachkriegszeit gebeten. „Die Verletzung der Verletzbarsten war an der Tagesordnung“, gestand Käßmann im Blick auf erste Ergebnisse der Untersuchung ein. Aus heutiger Sicht sei diese Pädagogik der körperlichen Bestrafung und seelischen Demütigung „absolut inakzeptabel“.

Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnete die Bischöfin die Einrichtung eines Runden Tisches auf Bundesebene, an dem Betroffene, Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden zusammen kommen. „Es ist gut, dass gewaltfreie Erziehung heute als Recht verankert ist“, schloss Käßmann ihre Ausführungen zu dem Thema.

Kinder waren das Schwerpunktthema der Landesbischöfin im zuende gehenden Jahr. Im Zusammenhang der Weiterentwicklung von Kindertagesstätten regte Käßmann das Zusammenwirken mit Tagespflegepersonen und die Entwicklung eines gemeinsamen Bildungs- und Erziehungsverständnisses an. Es sollte zudem kurzfristig eine Anlaufstelle für die Begleitung der Träger beim Aufbau von Familienzentren geben.

Mit der Veröffentlichung des von ihr herausgegebenen Buches „5 Minuten mit dem lieben Gott“ hätten Eltern von Kindern im Grundschulalter nun ein „kleines christliches Ritual, mit dem jeder und jede, ob kirchennah oder kirchenfern, mit einem Kind jeden Tag einen Bibeltext kennen lernen kann“. Käßmann dankte den insgesamt 70 Autoren, die wie alle anderen Beteiligten auf ein Honorar zu Gunsten des Projekts „Zukunft(s)gestalten“ verzichtet hätten.