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Bild: Jens Schulze

Bericht der Landesbischöfin II: „Evangelisches Unternehmertum ist wichtig“

Bericht 26. November 2008

Bischöfin Käßmann nimmt Stellung zur Rolle des Mittelstandes

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Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann

Nach den Worten der evangelischen Bischöfin Dr. Margot Käßmann stelle sich auch für die Kirche die Frage, wie evangelisches Unternehmertum aussehe, denn gemeinsam mit der Diakonie seien „die Kirchen insgesamt die zweitgrößte Arbeitgeberin in Deutschland“. Da stelle sich auch angesichts des Kostendrucks gerade in den Pflegeeinrichtungen der Diakonie die Frage: Wie wirtschaftet ein Unternehmen „menschengerecht und verantwortlich“?

In der in diesem Sommer erschienenen Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“ sieht Käßmann die Vision eines freien, unternehmerischen Handelns aufgenommen, „das sich zugleich sozial verpflichtet weiß und in dieser Hinsicht umsichtig in der Gesellschaft agiert.“

Gegen die Kritik an der Denkschrift, sie bringe einseitig die Interessen der Unternehmer zur Sprache und vernachlässige diejenigen der Arbeitnehmer, stellte die Theologin heraus, dass das Ziel der Denkschrift eben gerade die Definition eines Evangelischen Unternehmertums gewesen sei. „Wir können den Mittelstand, der gerade Niedersachsen prägt, nicht in einen Topf werfen mit großen DAX-Unternehmen, die von Anonymität bestimmt sind“. Vielmehr würden mittelständische Unternehmer vor Ort Arbeitsplätze schaffen, sich um ihre Mitarbeitenden kümmern und vor Ort verankert sein.

Ein großes Unbehagen bleibe bei ihr allerdings, wenn sie an diejenigen denke, die den freien Markt gepriesen und jedes Ethos der Verantwortung und Regeln der Solidarität als Eingriff in die Marktgesetze abqualifiziert hätten. Heute seien dies oft diejenigen, die als erste an die Solidargemeinschaft appellierten.

„Völlig unvertretbar“ ist in ihren Augen ebenfalls das Preisdiktat der Pflegekassen, das nicht „Qualität und Menschenwürde“ an die ersten Stelle rücke, sondern allein das Kriterium „so billig wie möglich.“ Aufgabe der Kirche sei es, hier für die sozialen Grundlagen der Wirtschaft und des unternehmerischen Handelns einzustehen.