Ein Rückblick auf die Zeit für Freiräume

„Das Thema „Freiräume“ ist so persönlich und so individuell – der offene Austausch darüber war ein großer Gewinn“

„Haben Sie das Glockengeläut auf der Seite der Landeskirche entdeckt? Für mich war das die tägliche Einladung zu einer kleinen Pause“ sagt Karoline Läger-Reinbold, Projektleiterin der „Zeit für Freiräume“. So erging es sicher nicht nur ihr.

Die Redaktion des Roten Reihers hat nachgefragt, mit welchen Eindrücken Läger-Reinbold und Drewes auf die „Zeit der Freiräume“ zurückblicken und wie es nun weitergeht.

„In allen Sprengeln unserer Landeskirche gab es Konvente, die an anderen Orten oder sogar draußen stattgefunden haben“, so Läger-Reinbold, „Eine Kollegin hat erzählt, dass sie eine Reihe von dienstlichen Gesprächen unterwegs, in Verbindung mit einem Spaziergang, führen konnte. Auf diese Weise kam einiges unverhofft in Bewegung. Viele Mitarbeitende in Haupt- und Ehrenamt verbringen einen beachtlichen Teil ihrer Zeit in Besprechungen oder Gremiensitzungen. ‚Zeit für Freiräume‘ ist da so etwas wie ein Zauberwort geworden. Eine Erinnerung, um mal genauer hinzusehen: Wie gehen wir hier miteinander um? Und gibt es etwas, das wir gemeinsam tun können, auch über das Dienstliche hinaus? Das reicht von der kurzen Andacht zu Beginn der Sitzung, der Unterbrechung zum Lüften bis hin zum Bibel-Teilen, von der gemeinsamen Mahlzeit bis hin zur Pilgerwanderung oder zur Fahrradtour.“

Drewes war unter anderem auch an der Organisation und Betreuung der Oasentage für die Mitarbeitenden des Landeskirchenamtes beteiligt. Er sagt: „Das Ganze war erstmal etwas Neues. ‚Brauchen wir das überhaupt?‘ -  ‚Ist das gut für mich?‘ -  ‚Was kommt dabei heraus?‘ Nicht alle Veranstaltungen wurden in gleichem Maße angewählt. Aber das macht nichts. Jede Oasen-Veranstaltung hat eine innere Absicht und durch thematische Impulse auch einen inneren Verlauf. Die Veranstaltungen sind wie Workshops und machen Spaß. Sie sind keine Selbsterfahrung, haben aber mit dem Menschen am Arbeitsplatz zu tun. Die Leute, die dabei waren, haben insgesamt positives Feedback gegeben. Die einen mochten die sinnreiche Aus-Zeit, andere hatten einen Mehrwert in der kollegialen Gemeinschaft, wieder andere ließen sich anstoßen von den thematischen Impulsen. Mitgenommen habe ich vor allem diese Äußerung: ‚Dass ich das hier mitmachen darf - in meiner Arbeitszeit!‘ Das zeigt mir, dass Mitarbeitende nicht nur in ihrer Fachlichkeit gesehen werden wollen, sondern auch in ihrer Menschlichkeit. Und in welchem Fortbildungsangebot sollte das vorhanden sein - wenn nicht in unserem?“

Läger-Reinbold ergänzt: „Aus den Kirchengemeinden habe ich außerdem gehört, dass es vielerorts Experimente mit Stille gab: Andachten mit kleiner Liturgie und viel Zeit für die Seele. Und es gab Gemeinden, die für einen Zeitraum die Bestuhlung der Kirche verändert haben, um sich den Raum neu zu erschließen. Mein Eindruck ist, dass dort, wo in diesem Jahr dringende Baumaßnahmen, Personalengpässe oder Vakanzen waren, der ‚Freiraum‘-Gedanke eher als zusätzlicher Anspruch gehört und darum schnell beiseitegeschoben wurde. Andere haben die ‚Zeit für Freiräume‘ als Jahresthema verstanden und schnell nach passenden Ideen und Veranstaltungen gesucht, ohne den Aspekt des ‚Lassens‘ in den Blick zu nehmen. Das hat sich im Laufe des Jahres entwickelt und auch noch einmal verändert. In manchen Gemeinden ist die Initiative überhaupt erst jetzt angekommen. Insgesamt ist deutlich geworden: Wenn wir nicht selbst für unsere Freiräume sorgen, werden wir bald keine mehr haben. Das ist ein Thema nicht nur für uns als Kirche, sondern auch für unsere Gesellschaft.“

Wie geht es nun weiter?

„Freiräume haben etwas mit Kreativität zu tun und jeder, der gerne kreativ ist, weiß: Da lässt sich nichts erzwingen“, sagt Drewes. „Also: Am Ball bleiben. Weiterhin gilt: Freiräume sind Gestaltungsräume. Es wäre toll, wenn dieser Gedanke sich noch mehr festsetzt. Wir sollten ab 2020 wirklich nicht mehr ‚Jahr der Freiräume‘ sagen, sondern eben ‚Zeit für Freiräume‘.“ Läger-Reinbold ergänzt: „Die Steuerungsgruppe hat im September beschlossen, dass es für die „Zeit für Freiräume 2019“ keine Abschlussveranstaltung geben wird. Der Impuls dieses Jahres wird weiterwirken. Wir werden Anfang 2020 noch einmal darauf zurückblicken und den Prozess reflektieren. Auf der Website www.freiraeume2019.de werden auch weiterhin Ideen und Beispiele gesammelt.“

Sicher ist wohl, dass dieses Jahr viel Bewegung in unsere Kirche gebracht hat. „Mein Eindruck bestätigt sich“, bekräftigt Drewes. „Hier geht es um eine Erlaubnis. Immer noch sagen Leute, die sich im Arbeitskontext mit Freiräumen beschäftigen: ‚Für Zeit habe ich eigentlich gar keine Zeit.‘ Ein bisschen Mut wäre gut. Denn: Was wird dort erscheinen, wo ich mal Neues wage? Wird dann jemand kommen, mit dem Finger auf mich zeigen und sagen: Als Mitarbeiter bist du dein Geld nicht wert? Und was, wenn dadurch etwas ganz anders würde als es jetzt ist? Nach dem Motto: Mir ist der bekannte Stress lieber als die unbekannte Leichtigkeit. Darum schafft die ‚Zeit für Freiräume‘ ein Bewusstsein für die eigene Leistungsbereitschaft, das eigene Verantwortungsgefühl und auch für die eigenen Beharrungstendenzen. Für mein eigenes Bewältigungssystem also. Und im besten Falle: Für dessen Grenzen.“

Am Ende bleibt es jedoch jedem von uns selbst überlassen, was wir unter Freiräumen verstehen und wie wir diese in Zukunft nutzen werden.

Zum Abschluss

Die Redaktion des Roten Reihers wird ab sofort wieder Printausgaben des Mitarbeitermagazins herausgeben. Die nächste Ausgabe erscheint am 13. Dezember 2019.

Sollten Sie noch Fragen zum Thema "Zeit für Freiräume" haben, melden Sie sich gerne bei Pastorin Dr. Karoline Reinbold.

Nach wie vor besteht die Möglichkeit, sich in intern-e einer bestehenden Freiraum-Arbeitsgruppe anzuschließen.

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