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Lieblingskinder Gottes

Nachricht 05. Juli 2012

von Pastorin Silvia Mustert

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„Warum lässt Gott das zu?“ Diese Frage begleitet mich, solange ich glaube. Und sie begleitet mich, weil ich glaube. Gäbe es Gott für mich nicht, könnte ich mit der Ungerechtigkeit dieser Welt hadern, mit einem namenlosen Schicksal, mit denen, die das Leid verursachen. So aber kann ich nicht ohne Gott denken.

„Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ heißt es in der Bergpredigt. Das müssen also Lieblingskinder Gottes aushalten, ausgerechnet die, die es ernst meinen mit Gott? Fast poetisch klingt dort, was in der Realität kaum auszusprechen und zu ertragen ist. Selig ist das Kind, das seine Mutter nie kennen gelernt hat, denn es soll getröstet werden? Selig die Eltern, deren Kind grausam ermordet wurde, denn sie sollen getröstet werden? Selig die Kranke, die auf keine Heilung mehr hoffen darf, denn sie soll getröstet werden?

Trost wartet nicht bis das Schlimmste vorbei ist

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Silvia Mustert

Nur ein Wort hält mich davon ab, zynisch zu werden. Ein Wort, das berührt. Ein Wort, an dem es sich festzuhalten lohnt: Trost. Trost, das meint „trauen“, „Vertrauen“ oder auch „Treue“. Das meint kein Gras, das über alles Unglück wächst, keinen Sonnenschein, der nach dem Regen kommt, keine Zeit, die alle Wunden heilt.

Trost wartet nicht, bis das Schlimmste vorbei ist, sondern ist da, wenn es am schlimmsten ist. Trost ist eine passive Erfahrung: ich soll getröstet werden, denn ich kann mir Trost nicht selbst zusprechen.

Trost hält fest, ohne dem Leiden auszuweichen, ohne den Schmerz zu vermeiden. Trost erklärt nichts und beantwortet auch nicht die die Frage nach dem „Warum?“

Gehalten und getröstet - Lieblingskind sein

Doch Trost setzt dann an, wenn es am fürchterlichsten ist. Trost hält die Erinnerung an Zeiten bereit, als tiefes Unglück durch eine Umarmung gehalten wurde. Der Schmerz wurde nicht wirklich weniger, aber das Gefühl des Unglücks war begrenzt durch die Arme des Tröstenden. In dem Moment größter Bedürftigkeit bewahrt sein vor dem Fall ins Abgrundtiefe, in diesen Moment Lieblingskind sein, gehalten und behütet, das ist Trost.

Silvia Mustert

Das Wochenthema
Unglaublich, unfassbar - Gott!

Ich bin dankbar, dass so mancher meiner Glaubenslehrer für den Heiligen Geist Bilder gefunden hat und dass unter die Decke meiner Heimatkirche ein Bild vom dreieinigen Gott gemalt war. Das half mir zu verstehen, was zunächst nicht in meinen Kopf wollte. Im Studium waren es dann das Gleichnis von den anvertrauten Talenten/Zentnern und der „Gott der Rache“, die mich herausforderten.  

In der Woche vom 2. - 8. Juli präsentieren Ihnen Theologinnen und Theologen aus dem EMSZ, der Pressestelle und der Bischofskanzlei ihre Geschichte zum Thema „Unglaublich, unfassbar - Gott“. Freuen Sie sich auf eine Sammlung unglaublicher Geschichten und Erfahrungen.

Ihr Kay Oppermann

Der Text zum Thema:
Die Seligpreisungen
(Matthäus 6,1 - 10)

Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.