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Gott im warmen Lufthauch

Nachricht 04. Juli 2012

von Pastor Klaus-Uwe Nommensen

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Ich will Sie nicht langweilen mit der Vorgeschichte. Nur so viel: Ich war am Ende meiner Kräfte gewesen, konnte nicht mehr, wollte auch nicht mehr, hatte mich in die Wüste zurückgezogen. Ich hatte mich und meinen Beruf aufgeben wollen. Ach ja, Sie wissen ja gar nicht, mit wem Sie es zu tun haben. Ich bin Elia, von Beruf Prophet. Vielleicht denken Sie jetzt, ich wäre so eine Art Wahrsager.

Nein, in meinem Beruf muss man nur hellhörig sein auf das, was Gott den Menschen zu sagen hat. Das dann den Menschen weiterzusagen, dazu gehört manchmal schon Mut. Aber zurück zu jenem Tag in der Wüste. Brot und Wasser standen plötzlich nachts neben mir. Und eine Stimme sagte mir: „Steh auf und iss!“

Ja, ich habe mich dann gestärkt, habe mich wieder aufgerappelt, bin losgegangen. Ich weiß nicht mehr, warum ich diese Richtung eingeschlagen habe, aber nach vierzig Tagen bin ich nun hier angekommen, hier an diesem Berg. So ungefähr auf halber Höhe habe ich eine Höhle gefunden.

„Ich bin in deiner Nähe, du wirst mich spüren.“

Klaus-Uwe Nommensen
Klaus Uwe Nommensen

Das ist kein gewöhnlicher Berg. Die Geschichte unseres Volkes Israel erzählt, hier habe Gott ihnen in zehn Sätzen mitgeteilt, wie die Menschen leben sollten. Mose, so erzählen unsere Väter und Mütter, habe auf diesem Berg diese Sätze zu hören bekommen und aufgeschrieben. Ich hatte mich gerade in die Höhle hineingesetzt.

Die Zweifel hatten sich wieder gemeldet. Ich war übers Ziel hinausgeschossen, hatte Gottes Handeln als meinen Triumph ausgekostet. Draußen fing es an zu dämmern. Plötzlich war sie wieder da, die Stimme, Gottes Stimme: „Komm heraus aus der Höhle. Ich bin in deiner Nähe, du wirst mich spüren.“

Ich stand auf. Gerade hatte ich einen Schritt vor die Höhle gemacht, da brach ein Sturm los. Der Wind pfiff mir nur so um die Ohren. Ist das jetzt Gott?

Gott: nicht laut und bedrohlich

Doch so plötzlich wie der Sturm begonnen hatte, war er auch schon wieder vorbei. Da begann die Erde zu beben. Ich bekam Angst. Vor meinen Füßen brach ein Stück ein Stück der Felsen ab. Ich hatte meinen Augen geschlossen, hörte, wie er zu Tal polterte. Ist das Gott? Wieder plötzliche Ruhe.

Doch plötzlich ein Feuer um mich herum. Die wenigen Sträucher brannten lichterloh. Ist das Gott?, dachte ich. Und wieder plötzlich Ruhe, als wäre nichts geschehen. Nur die verkohlten Sträucher zeigten an, was gerade geschehen war. Sturm, Erdbeben, Feuer: Wollte Gott seine Macht zeigen, vor allem mir deutlich machen, was geschehen könnte, wenn ich nicht gehorche? Ist das Gott?

Ich zitterte noch ein wenig und war ganz mit meinen Gedanken beschäftigt. Da spürte ich einen warmen Lufthauch, wie zärtliche Fingerspitzen. Nicht laut und bedrohlich. Und dann hörte ich wieder die Stimme, Gottes Stimme, die mir Mut zusprach.

Das war‘s, was ich Ihnen erzählen wollte, meine Begegnung mit einem zärtlichen und fürsorgenden Gott. Und nachtragend ist er auch nicht, habe ich erfahren.

Klaus-Uwe Nommensen

Das Wochenthema
Unglaublich, unfassbar - Gott!

Ich bin dankbar, dass so mancher meiner Glaubenslehrer für den Heiligen Geist Bilder gefunden hat und dass unter die Decke meiner Heimatkirche ein Bild vom dreieinigen Gott gemalt war. Das half mir zu verstehen, was zunächst nicht in meinen Kopf wollte. Im Studium waren es dann das Gleichnis von den anvertrauten Talenten/Zentnern und der „Gott der Rache“, die mich herausforderten.  

In der Woche vom 2. - 8. Juli präsentieren Ihnen Theologinnen und Theologen aus dem EMSZ, der Pressestelle und der Bischofskanzlei ihre Geschichte zum Thema „Unglaublich, unfassbar - Gott“. Freuen Sie sich auf eine Sammlung unglaublicher Geschichten und Erfahrungen.

Ihr Kay Oppermann

Der Text zum Thema
Elia am Horeb
(1. Könige 19,11 - 14)

Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.

Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sprach: Was hast du hier zu tun, Elia?  Er sprach: Ich habe für den HERRN, den Gott Zebaoth, geeifert; denn Israel hat deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir das Leben nehmen.