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Valerie und ihre Freunde

Nachricht 01. Juli 2012

„Das ist doch verboten!“ von Pastorin Angelika Wiesel

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Bild: Mr. Nico / photocase.com

Wenn ich biblische Heilungsgeschichten lese, muss ich an Valerie und ihre Freunde denken. Valerie sitzt im Rollstuhl. Damals besuchte sie eine Förderschule für geistige Entwicklung und ich war ihre Religionslehrerin. Zusammen mit ihren Mitschülern legte sie die „Heilung eines Gelähmten“ auf wunderbare Weise aus.

Zuerst gaben die fünf Jugendlichen der Geschichte eine neue Überschrift. „Die vier mutigen Freunde“. Sie waren beeindruckt, dass die Männer für ihren gelähmten Freund das Dach abdeckten. „Das ist doch verboten!“, riefen sie. Es freute sie, dass der Gelähmte ins Haus hinein kommt, denn sie wussten, wie es ist, wenn man draußen bleiben muss. Oft genug bleibt Valerie an einer Haltestelle stehen, weil sie mit dem Rollstuhl nicht mehr in den überfüllten Bus hineinpasst.

Mitten im Leben stehen

Angelika Wiesel
Angelika Wiesel Bild: Jens Schulze

Als sie die Geschichte nachspielen sollten, wählte Valerie die Rolle des Gelähmten. Die vier anderen trugen sie mit ihrem Rolli ins Haus. Drinnen jubelten alle: „Wir haben`s geschafft!“.

Dann umarmte ein Junge als Jesus Valerie und die fünf gingen bzw. rollten wieder gemeinsam hinaus. Ich begriff: Geheilt sein, bedeutet für sie, mitten im Leben zu stehen, dabei zu sein. Die vier Männer sind ihre Helden, weil sie wieder Hoffnung und Bewegung in das Leben des Gelähmten bringen.

Sich gegenseitig unter die Arme greifen

Die Umarmung im Spiel drückt genau das aus, was der Satz „Deine Sünden sind dir vergeben.“ in der Geschichte bedeuten kann: „Kein Sund, kein Abgrund, kann uns trennen! Komm zu mir, so wie du bist! Du bist nicht allein.“

Leider werden Kranke in unserer Lebenswirklichkeit nicht so schnell geheilt wie in den biblischen Geschichten. Die umfassende Heilung der Welt, die neue Schöpfung, steht noch aus. Doch auch das Versprechen „Nichts kann uns trennen!“ steht. Mit Jesus Christus an unserer Seite warten wir alle - Gesunde und Kranke, Rollstuhlfahrer und Fußgänger - auf die umfassende Heilung der Welt. Bis sie anbricht, können wir uns gegenseitig unter die Arme greifen und uns tragen.

Angelika Wiesel

Das Wochenthema
Unglaublich, unfassbar - Gott!

Ich bin dankbar, dass so mancher meiner Glaubenslehrer für den Heiligen Geist Bilder gefunden hat und dass unter die Decke meiner Heimatkirche ein Bild vom dreieinigen Gott gemalt war. Das half mir zu verstehen, was zunächst nicht in meinen Kopf wollte. Im Studium waren es dann das Gleichnis von den anvertrauten Talenten/Zentnern und der „Gott der Rache“, die mich herausforderten.  

In der Woche vom 2. - 8. Juli präsentieren Ihnen Theologinnen und Theologen aus dem EMSZ, der Pressestelle und der Bischofskanzlei ihre Geschichte zum Thema „Unglaublich, unfassbar - Gott“. Freuen Sie sich auf eine Sammlung unglaublicher Geschichten und Erfahrungen.

Ihr Kay Oppermann

Der Text zum Thema:
Heilung eines Gelähmten
(Markus 2,1 - 12)

Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.

Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?

Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.