osterlachen_schmal

Bild: Judywie / photocase.com 

Gott hat sich köstlich amüsiert

Nachricht 15. April 2012

Er sitzt immer hinten links neben der Küsterin

Klaus-Uwe Nommensen
Klaus Uwe Nommensen

Da saß er wieder in der letzten Reihe links. Er sitzt immer hinten links neben der Küsterin, wenn er mal wieder im Gottesdienst auftaucht. Ab und zu scherzen die beiden miteinander. Anschließend erzählt sie, dass er sich wieder einmal darüber amüsiert habe, wie „ernst und trocken“ ich gewesen wäre.

Heute schien der liebe Gott besonders gut gelaunt zu sein. Während meiner Predigt schüttelte er einige Male belustigt den Kopf und beugte sich zur Küsterin hinüber. Dabei war mir die Vorbereitung nicht leicht gefallen. Die Geschichte, in der die Tempelvertreter Jesus mit einer Fangfrage hatten überlisten wollen. Sie hatten ihn gefragt, ob es recht sei, dem römischen Staat Steuern zu zahlen. Mit der Antwort hatte sich Jesus nach ihrer Einschätzung nur ins Unrecht setzen können: entweder Verrat am jüdischen Volk oder Aufruf zum Steuerboykott.

Gott: „Ich habe mich damals köstlich amüsiert.“

Nach dem Gottesdienst kam er wie üblich zu mir. „Schön und gut, was du da über das Verhältnis zur Obrigkeit und zum Staat gepredigt hast. Aber du hast deine Chance vertan.“ „Wieso?“ „Das wäre eine prima Möglichkeit gewesen, zu erzählen, wie mein Sohn die Tempeloberen spitzbübisch vorgeführt hat“, antwortete er. „Ich hab mich jedenfalls damals köstlich amüsiert. Die Leute übrigens auch.“

„Stell dir das doch mal vor“, fuhr er fort, „ich habe das damals ja mitverfolgen können: Da kommen die ehrwürdigen Herren, siegessicher, der zu erwartende Triumph lässt sie ihre Nase noch einen Zentimeter höher tragen: Endlich haben wir ihn, er wird hier vor allen Leuten durch seine Antwort selbst das Urteil über sich sprechen.“

Er schaute mich belustigt an: „Am Ende standen sie selbst dumm da, mussten sich mit hängenden Ohren davonschleichen. Und mein Sohn hatte die Lacher auf seiner Seite.“

Noch mehr Spannung auf der anderen Seite

Seine Schilderungen ließen langsam eine Szenerie vor meinen Augen entstehen: Ich stellte mir vor, wie Jesus mit einem verschmitzten Blick eine römischen Münze gefordert hatte. Die trug doch jeder Jude in der Tasche, obwohl der Kaiser darauf als Gott abgebildet war. Die Fragesteller waren zum ersten Mal verunsichert, unter den Zuschauenden war die Spannung gestiegen.

Dann der zweite Streich: Seht doch selbst, was ihr da mit euch herumtragt, was euer Leben bestimmt. Zweite Verunsicherung auf der einen Seite, noch mehr Spannung auf der anderen Seite. Schließlich die Pointe: Also gebt dem Kaiser, was sein ist, und Gott, was ihm zusteht.

Gott: „Jetzt guck nicht wieder so ernst.“

„Siehst du, sein Humor hat sie entlarvt und die Leute befreit lachen lassen“. Er schien meine Gedanken mitgelesen zu haben. Und nicht ohne Stolz fügte er hinzu: „Schlagfertig ist er ja, mein Sohn. Nimm dir an ihm ein Beispiel, du bist doch sonst auch nicht so ernst. Gründe, um die Lacher auf unserer Seite zu haben, haben wir doch genug, oder?“

Ich musste ihm Recht geben. „Jetzt guck nicht schon wieder so ernst“, sagte er und verabschiedete sich, indem er mir sanft in die Rippen boxte.

Pastor Klaus-Uwe Nommensen

Das Osterlachen

Video anzeigen

Das Osterlachen bezeichnet ursprünglich den Brauch, in der Predigt an Ostern die Gottesdienstgemeinde zum Lachen zu bringen. In einigen Regionen war dies vom 14. bis 19. Jahrhundert fester Bestandteil des christlichen Brauchtums.

Der Grundgedanke des Osterlachens war, die Osterfreude zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig symbolisiert das Osterlachen die Überlegenheit und den Sieg über den Tod, der sich an Christus „verschluckt“ hat und der Lächerlichkeit preisgegeben ist. Mareike Bohrenkämper ist dem Lachen auf der Spur.