osterlachen_schmal

Bild: Judywie / photocase.com 

Leben ist, wenn man trotzdem lacht

Nachricht 13. April 2012

Freuet Euch!

Silvia-Mustert
Silvia Mustert

Theologisches Examen: Ein ziemlich hoffnungsloser Fall sitzt zusammengesunken vor seinem Professor. „Sie wissen ja überhaupt nichts“, stellt dieser frustriert fest. „Können Sie wenigstens einen einzigen Satz aus dem Neuen Testament auswendig?“ Zaghaft kommt die Antwort: „Ja, doch: Freuet euch in dem Herrn.“ „Naja, und vielleicht noch einen anderen Satz?“ Da geht ein Strahlen über das Gesicht des Kandidaten: „Und abermals sage ich: Freuet euch!“

Lachen und Weinen liegen nah beieinander

In lebhafter Erinnerung an eigene Prüfungszeiten bin ich hin und her gerissen zwischen Lachen und Mitleid mit diesem hoffnungslosen Fall, der so trotzig und tapfer seine Bibelkenntnisse an den Mann bringt. Lachen und Weinen – wie nah liegt es beieinander. Mehr noch: wie sehr bedingt eins das andere. „Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen“ heißt es im Lukasevangelium (Lk. 6, 21).

Das irdische Weinen wird sich in himmlisches Lachen verwandeln. Hier Weinen – dort Lachen. Eine viel zu einfache Formel? Ein schneller Trost? Schmalspurglaube, der geduldig, ja gefügig macht? War das nicht gerade die Kritik von Karl Marx am Christentum? Die schnelle Vertröstung auf das Jenseits, die letztlich lebensunfähig macht?

Im Lachen begegnet uns die Kraft Gottes

Diese Worte Jesu sind, was sie so oft sind: ein vollkommener Widerspruch zur Welt, die ist. Und sie erheben gleichzeitig den endgültigen Anspruch auf das, was einmal sein soll. In Widerspruch und Zuspruch schaffen Jesu Worte für einen kurzen Moment, was einmal ganz und gar für uns gelten soll: eine vollkommene Veränderung. „Ihr werdet lachen“.

Das ist die Zukunft, die jetzt schon unser Leben prägen kann. Denn das Lachen, das uns in dieser Welt über die Lippen kommt, ist wie ein Vorbote. Der Moment des Lachens lässt uns ahnen, wie es sein kann. Im Augenblick des Lachens verliert das Hier und Jetzt an Bedeutung. Wer lacht, für den sind Raum und Zeit plötzlich aufgehoben. Im Lachen, in dieser kurzen, heiligen Zeit, begegnet uns die Kraft Gottes, sein strahlendes, leuchtendes Angesicht, der Urstrom der Lebendigkeit. Und ruft uns zu: „Freuet euch!“ Auch wenn es scheinbar nichts zum Lachen gibt.

Pastorin Silvia Mustert

Das Osterlachen

Video anzeigen

Das Osterlachen bezeichnet ursprünglich den Brauch, in der Predigt an Ostern die Gottesdienstgemeinde zum Lachen zu bringen. In einigen Regionen war dies vom 14. bis 19. Jahrhundert fester Bestandteil des christlichen Brauchtums.

Der Grundgedanke des Osterlachens war, die Osterfreude zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig symbolisiert das Osterlachen die Überlegenheit und den Sieg über den Tod, der sich an Christus „verschluckt“ hat und der Lächerlichkeit preisgegeben ist. Mareike Bohrenkämper ist dem Lachen auf der Spur.