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Bild: Thomas Lohnes

Landvergabe in neuer Dimension

Nachricht 12. Oktober 2012

Forderungen von Brot für die Welt

Das Menschenrecht auf Nahrung muss in allen Fällen der Landvergabe garantiert werden. Hierzu braucht es ein weitreichendes und verbindliches internationales Regelwerk, das im Rahmen der FAO beschlossen werden muss. Regierungen müssen in der Verpflichtung stehen, es umzusetzen und diese Umsetzung muss von der Zivilgesellschaft kritisch begleitet und überprüft werden. Letztendlich müssten auch Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn sie das Menschenrecht auf Nahrung missachten. Ziel eines solchen Regelwerks sollte es sein, mehr Transparenz zu schaffen.

Investitionsvorhaben müssen vorab einer menschenrechtlichen Prüfung unterzogen werden. Traditionelle Landrechte und lokal vorhandene Strukturen müssen bei der Landvergabe anerkannt werden, z.B. die gemeinsame Nutzung von Gemeindeland oder auch die Nutzung größerer Territorien durch indigene Völker und Nomaden. Standards für Umsiedelung und Entschädigungen müssen enthalten sein. Um Land Grabbing zu verhindern, müssen aber auch die Ursachen dafür angegangen werden. Hohe Beimischungsziele für Agrotreibstoffe setzen Anreize zum Landerwerb für Konzerne, weil damit Absatzgarantien gegeben sind und müssen daher dringend korrigiert werden. Importe von Agrotreibstoffen und Futtermitteln brauchen soziale und ökologische Leitplanken, die das Menschenrecht auf Nahrung zur Grundlage haben. Agrarinvestmentfonds müssen strengerer Überwachung unterliegen. Landkonzentration ist ein zentraler Faktor für Armut und Hunger.

Ländliche Entwicklung muss daher einen höheren Stellenwert in den Entwicklungshilfe-Budgets der OECD- und Entwicklungsländer erhalten. Agrarreformen und Landumverteilung sowie eine gezielte Kleinbauernförderung durch landwirtschaftliche Beratung und bessere Vermarktungssysteme können einen wichtigen Beitrag zu einer echten Hungerbekämpfung leisten. Der Protest gegen die Landnahme in Entwicklungsländern erfordert aber auch einen Rückschluss auf unseren eigenen Lebensstil in Deutschland. Unser Konsum hat Auswirkungen auf die Landnutzung weltweit: seien es Südfrüchte, andere importierte Nahrungsmittel, Fleisch aus intensiver Tierhaltung oder die hohe Nutzung des Autos (Agrotreibstoffe). Ein Umdenken und Umlenken hier gehört zu einem nachhaltigen „Freisetzen“ von Flächen in Entwicklungsländern.

Partner von „Brot für die Welt“

In Sierra Leone befasst sich das Afrikanische Netzwerk für das Recht auf Nahrung mit der großflächigen Landnahme, die in dem schwer vom Bürgerkrieg gezeichneten Land in großem Stil stattfindet. „Brot für die Welt“, der Evangelische Entwicklungsdienst und das Schweizer Hilfswerk „Brot für alle“ unterstützen das Netzwerk vor Ort.

In einer unabhängigen Studie recherchiert es, inwiefern das Recht auf Nahrung der Landbevölkerung durch die Verpachtung von 10.000 Hektar Land für mindestens 50 Jahre an den Schweizer Konzern ADDAX Bioenergy gefährdet ist. Hier soll Zuckerrohr zur Herstellung von Ethanol für den Export angebaut werden. Den Menschen wurden zwar Ausgleichszahlungen und Arbeitsplätze zugesagt, doch gibt es inzwischen immer mehr Bauern, die sich Sorgen um die Ernährung ihrer Familien machen.

Weiterführende Literatur

  • Brot für die Welt: „Wenn das Land knapp wird – Was haben Biosprit und Tierfutter mit Hunger zu tun?“, Januar 2011, Art. Nr. 129 500 290, erhältlich bei Brot für die Welt
  • Brot für die Welt / EED / FDCL: „Land ist Leben – Der Griff von Investoren nach Ackerland“, WeltSichten Dossier 5-2011
  • INKOTA: „Die neue Landnahme: Der Globale Süden im Ausverkauf“, INKOTA-Dossier 7, Juni 2010 Brot für alle / Fastenopfer: „Land Grabbing – Die Gier nach Land; Der Wettlauf um Land verschärft den weltweiten Hunger“, Bern/Luzern, Mai 2010
  • FIAN: „Land Grabbing; Moderne Landnahme und das Recht auf Nahrung“ FIAN Fact Sheet 2010/1, Köln, Mai 2010

Ausstellung

Von Teller, Tank und Trog: Wettlauf um Land in Afrika, Asien und Lateinamerika

Die Ausstellung besteht aus 10 Fahnen (1,00 x 2,40 Meter); Art. Nr. 129 500 460; auch als Plakatversion, Art. Nr. 129 600 470 bei Brot für die Welt erhältlich (5,00 EUR zzgl. Versand)

Spendenkonto

Brot für die Welt
Konto 500 500 500
BLZ 1006 1006
KD Bank

Filme

  • „Hunger“, Dokumentarfilm von Marcus Vetter und Karin Steinberger, Deutschland 2010, 90 min, Art. Nr. 119 301 730 bei Brot für die Welt erhältlich (10,00 EUR zzgl. Versand)
  • „Planet for Sale“ ('Dritte Welt im Ausverkauf'), Dokumentarfilm von Alexis Marant, ARTE F, 2010, 90 min; www.planete-a-vendre.arte.tv/de