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Mensch, wo bist du gerade?

Nachricht 23. Februar 2012

Die Fastenzeit bietet Gelegenheit zum Umdenken

Es gibt den Tag lang viele Gründe, die uns hindern, uns auch nur einmal auf uns selbst zu besinnen. Nicht nur das Hamsterrad der Erwerbsarbeit, auch die vielen kleinen Zeit- und Kräftefresser davor, währenddessen und danach. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie ziehen unsere Sinne auf sich – und zugleich von uns weg. „Mensch, wo bist du gerade?“ Die Frage, der Paradieserzählung entnommen, können wir ohne weiteres öfter an uns stellen.

Wir können sie auch als Frage Gottes hören. Das hat den Vorteil, dass die andere, die verborgene Stimme mitschwingt, etwa so: „Ich habe dich doch nach meinem Bild geschaffen – und siehe, es war sehr gut. Du wendest dich zwar gerade wieder einmal ab von mir. Doch ich bleibe in Kontakt mit dir. Denn ich möchte doch, dass du wachsen kannst – hin zu meinem Bild von dir. Gerade jetzt. Gerade hier nimm das Unwahrscheinliche wahr: dass ich da bin, für dich. Höre dies als mein Wort an dich. Das ist meine Liebe zu dir.“ Ob wir es auch hören wollen?

Die gelegentliche Sehnsucht, zur Ruhe und zu uns selbst zu kommen, ist ein Indiz. „Alles beginnt mit der Sehnsucht.“ Doch wenn mehr daraus werden soll, braucht es Zeit dafür, Zeit nur für uns. Und es braucht einen Rückzugsort, an dem anderes außen vor bleibt. Das bedeutet Weglassen und Loslassen, Verzicht auf einiges Nützliches und Angenehmes. Auf Distanz gehen ist angesagt, für einen Moment oder auch für länger. Es braucht den Entschluss, das verborgene Wort im Alltag zu erinnern in der Ahnung: Ja, da ist doch noch etwas Besseres als meine ausgetretenen Pfade.

Auf die Stille hören

Das Bessere – oder auch für mich Nötige – erfahre ich jenseits des Betriebs. Etwa da, wo mich ein biblisches Wort so anspricht, dass ich zu merken beginne: Meine Gegenwart ist doch die Gegenwart Gottes, sie ist mir immer schon nah! Aus der gefühlten Leere entsteht etwas Neues, eine belebende Fülle, eine aufrichtende und ordnende Kraft, die mir hilft, meinen nächsten Schritt im Alltag zu finden.

Ich habe als Pastor in einem Hamsterrad aus Selbst- und Gemeindeansprüchen vor über dreißig Jahren den Segen der meditativen Stille entdeckt. Sie hat mich auf die Spur geführt. Ich lernte das Herzensgebet kennen, das „hörende Beten“ eines biblischen Wortes im immerwährenden Rhythmus des Atems, im Achten auf meinen Körper. Es hat mich neu auf die Füße gestellt. Es lässt mich Gottes verborgene Nähe entdecken, wo ich auch bin.

Es hat mich gelehrt, in meinen starken und schwachen Zeiten von Gottes Erbarmen zu leben. Erbarmen in seinem ursprünglichen Sinn: „Ich möchte, dass du leben, dass du immer noch wachsen kannst.“ Dass es einer gewissen Übung bedarf, auf die Stille zu hören, ist klar. Und es ist auch gut, sich dabei von einem erfahrenen Menschen begleiten zu lassen. Es ergibt gute Gespräche …

Der Autor

Kurt Dantzer, Pastor i. R. in Nienburg (Weser), ist Kontemplationslehrer Via Cordis und Autor des Oratoriums „Jehoschua“ von Helge Burggrabe

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