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Bild: mys / photocase.com

„Wir müssen das Profil schärfen.“

Nachricht 16. Februar 2012

Hans-Hermann Ruschmeyer (58): Kirchenvorsteher seit der Einführung der Gurtpflicht

1976 ist das Jahr, in dem in der Bundesrepublik die Gurtpflicht auf Vordersitzen von PKW eingeführt wurde, Abba mit dem Titel Dancing Queen die Charts eroberte, Carl XVI. Gustaf von Schweden die deutsche Silvia Sommerlath heiratete und Steve Wozniak den Apple I präsentierte.
Es ist auch das Jahr, in dem Hans-Hermann Ruschmeyer zum ersten Mal in den Finteler Kirchenvorstand berufen wurde.

Damals war er 23 Jahre alt. Jetzt ist er viele Jahre verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und steht kurz vor dem Ende seiner sechsten Wahlperiode. Am Sonntag, 18. März 2012 sind Kirchenvorstandswahlen, zu denen Ruschmeyer nicht mehr antreten wird. „Nach drei Wahlperioden als Vorsitzendem tut dem Kirchenvorstand eine neue Zusammensetzung gut. Der Vorsitzende prägt so ein Gremium automatisch nicht unerheblich“, sagt der 58-Jährige. Er ist jetzt schon gespannt, wie sich die Runde nach der Wahl zusammensetzen wird und weiß, dass auf alle eine spannende, arbeitsreiche und intensive Zeit zukommt. „Zu den positiven Dingen der Kirchenvorstandsarbeit gehört, dass sie ein ordentliches Stück Mitgestaltung in Kirche und Gemeinde beinhaltet“, sagt Ruschmeyer.

Manchmal hartes Ringen und viele Gespräche

Ihm sind in 35 Jahren eine ganze Menge besonderer Erlebnisse im Gedächtnis geblieben. Dazu gehört beispielsweise der Bau der neuen Wegscheider-Orgel vor zehn Jahren. In der Planungsphase haben er und seine Kirchenvorstandskollegen zahlreiche namhafte Kantoren und Orgelbauer kennengelernt. Auch die Wahl zweier neuer Pastoren war für ihn eine besondere Aufgabe. Auf Hans Feltkamp folgte Wilhelm Röhrs. Inzwischen ist Thomas Steinke im elften Jahr im Amt. „In der Kandidatenfrage waren wir jeweils zunächst unterschiedlicher Meinung“, erinnert sich der geschäftsführende Gesellschafter einer Firma, die mit Mitteln der Telekommunikation und Informatik Direktverbindungen zu Baumaschinen herstellt. Aber über hartes Ringen und viele Gespräche miteinander kam es letztendlich zu einstimmigen Beschlüssen.

„Man wächst zusammen, wenn man miteinander sprechen muss.“

Diese Art des miteinander Arbeitens schätzt Ruschmeyer, der auch Ämter auf Kirchenkreisebene innehat. Aus seiner langen Amtszeit weiß er, dass das nicht immer selbstverständlich war. Als er in jungen Jahren in den Kirchenvorstand kam, war dieser traditionsgemäß noch sehr stark durch den Gemeindepastor geprägt. Beschlüsse waren häufig schon so weit vorbereitet, dass es keine großen Debatten mehr gab.

„Das war für mich immer ein Ärgernis“, erinnert sich Ruschmeyer. Seine Erfahrung ist, dass sich das Verhältnis der Mitglieder im Kirchenvorstand in dem Maße intensiviert hat, je mehr das Gremium schwierige Entscheidungen zusammen fällen musste. „Denn man wächst zusammen, wenn man miteinander sprechen muss.“

Immer wieder eine große Summe an freiwilligen Spenden

Das galt auch für den Bau des neuen Gemeindezentrums und den Verkauf des alten Gebäudes. „Letztendlich sind wir dabei für den ganzen Ort etwas zu schaffen und wollen uns als einladende und gastfreundliche Gemeinde präsentieren.“

36 Jahre Amtszeit verlaufen nicht nur mit positiven Erfahrungen. Aber es gehört wohl zu den herausragenden Eigenschaften des ruhigen und besonnenen Geschäftsmannes, dass er auch schwierigen Dingen etwas Positives abgewinnen kann, etwa den Sparmaßnahmen der Landeskirche: „Wir sind auf den freiwilligen Gemeindebeitrag angewiesen, und es ist ein beglückendes Erlebnis, dass Menschen darauf ansprechbar sind. Uns wird immer wieder eine große Summe anvertraut.“

Rolle der Kirche in der Gesellschaft

In den Augen Ruschmeyers wird der Umgang mit knapper werdenden Finanzen auch weiterhin ein bestimmendes Thema der nächsten Jahre bleiben. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Arbeit über Gemeindegrenzen hinweg mehr Gewicht bekommen wird. Doch wichtig bleiben für Ruschmeyer immer auch Fragen von Gott, Kirche und Glaube.

„Für die Zukunft müssen wir uns über die Rolle der Kirche in der Gesellschaft und ihre Angebote mehr Gedanken machen. Wir müssen das Profil schärfen.“ Weil das Nachdenken über solche Fragen neben den vielen Verwaltungsaufgaben häufig zu kurz kommt, haben die Finteler bereits vor knapp 20 Jahren eine Kirchenvorstandsklausur eingeführt, in der die Mitglieder ein ganzes Wochenende zusammenkommen und sich mit solchen grundsätzlichen Fragen auseinandersetzen.

Für Ruschmeyer steht fest, dass in dieser Vielfalt der Aufgaben auch der Reiz des Kirchenvorsteheramtes liegt, und er hofft, dass sich zur Wahl am 18. März 2012 viele Kandidaten aufstellen lassen.

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Ein Kirchenvorsteher berichtet

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Moritz Fischer-Kumbruch war bei der letzten Wahl 2006 der jüngste Kirchenvorsteher der hannoverschen Landeskirche. Er engagiert sich in seiner Gemeinde besonders für die Jugendarbeit.