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 Illustration: Dorothee Krämer, Esslingen

Dienstag der Karwoche

Nachricht 02. April 2012

Kaiaphas, der Hohepriester

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Hans-Christof Vetter

Aufrührerische Stimmung herrscht in der Stadt. „Das gefällt mir gar nicht,“ denkt der Hohepriester Kaiaphas. Nachher schwappt die Stimmung vielleicht über und die Römer müssen eingreifen - und das während des Passahfestes. Der weise und politisch kluge Mann macht sich ernsthaft Sorgen für die Feiertage. Seit jener Jesus in Jerusalem angekommen ist, war die Situation in der Hauptstadt nicht mehr zu beherrschen. Seine Wundertaten und aufrührerische Predigten haben sich herumgesprochen. Bisher hat die Hohepriester in Jerusalem dies kalt gelassen. Passiert ist es in Galiläa. Das ist weit weg und wer weiß, was wirklich stimmt, wenn von dort etwas erzählt wird. Jetzt ist dieser Prediger in Jerusalem. Das kann nur Ärger geben. Was ist, wenn er das Volk aufwiegelt? Zum Umsturz aufruft? Zum Ungehorsam?

Von diesen Sorgen getrieben, hat Kaiaphas seine Kollegen aus der Priesterschaft und einige Älteste des Volkes in seinen Palast gerufen. Gemeinsam diskutieren und überlegen sie, wie die eh schwierige Situation über die Feiertage beherrscht werden kann. Es darf nicht dazu kommen, dass die Besatzungsmacht eingreifen muss. So verstehen sie ihre Aufgabe als Führer des Volkes: für Ruhe zu sorgen zwischen dem Volk und den Besatzern, die die Macht und Gewalt in Händen haben. „Kollaborateure“ werden sie deshalb immer wieder beschimpft. Aber wie würde es aussehen, wenn sie nicht vermitteln würden? Lieber mit den Römern und ihrem Statthalter Pilatus zusammenarbeiten, als noch mehr Schaden im Volk anrichten und die eigene Stellung verlieren, war die Devise von Kaiaphas.

Alle, die in den Palast gekommen waren, sind sich einig: Viele sind nach Jerusalem gekommen, um dort Passah zu feiern. Genauso wie dieser Wanderprediger Jesus, der Zimmermannssohn aus Nazareth. Zusammen, dessen sind sich Kaiaphas und die anderen sicher, ein explosives Gemisch. Die letzten Tage haben gezeigt, wie angeheizt die Stimmung in der Stadt ist: der Jubel als Jesus in Jerusalem angekommen ist, der Krawall auf dem Tempelvorplatz, als Jesus gegen die Händler dort gewettert hat.

Die Stimmung muss beruhigt werden, bevor die Feierlichkeiten beginnen. Gesucht wird ein stiller Ort, an dem sie ihn unauffällig festnehmen und den Römern übergeben können. Aber das klappt nur, wenn einer aus seinem Freundeskreis verraten würde, wo er sich aufhält - nicht im Umfeld des Tempels, nicht mitten in der Stadt, nicht wenn viele Menschen dabei sind. Und es soll auch nicht der Schaden dessen sein, der ihnen den besten Platz verrät: 30 Silberlinge wollen sie ihm geben.

Pastor Christof Vetter

Gedanken in der Karwoche

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 Illustration: Dorothee Krämer, Esslingen

In der Karwoche - von Palmsonntag bis Karsamstag - und an den beiden Osterfeiertagen lädt die Redaktion der landeskirchlichen Internetseite zum Nachdenken über die Passionsgeschichte ein. Pastorinnen und Pastoren aus der Abteilung Internet, aus der Pressestelle der Landeskirche und aus der Bischofskanzlei, die sonst miteinander über die Inhalte des Tagesthemas entscheiden, schreiben über Menschen in der Passionsgeschichte und wünschen allen viele gute Gedanken beim Lesen.