dkh_kopf_sahel

Bild: Brot für die Welt

Mali

Nachricht 29. Juni 2012

Flucht vor Gewalt in Mali

Humanitäre Schutzzone gefordert

Caritas international und Diakonie Katastrophenhilfe sind tief besorgt angesichts des Schicksals von rund 100.000 vertriebenen Kriegsopfern im Norden Malis. Die kirchlichen Hilfswerke befürchten eine schwere humanitäre Krise. Sie fordern, dass so schnell wie möglich eine humanitäre Schutzzone eingerichtet wird, um die Versorgung der Menschen zu ermöglichen.

Auch in die Nachbarländer Niger und Burkina Faso sind Zehntausende geflohen. Die angespannte Versorgungslage wegen der anhaltenden Dürre erfordert dort nach Ansicht der Hilfswerke ebenfalls schnelles Handeln. Die Lage im Norden Malis ist extrem schwierig: Krankenhäuser sind zerstört, die Wasserversorgung funktioniert nicht mehr. „Die Menschen sehen angesichts von Gewalt und Übergriffen ihre einzige Chance in der Flucht“, sagt Martin Kessler. Der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe ist vor kurzem aus der Region zurückgekehrt und hat mit Flüchtlingen aus Mali im Norden Burkina Fasos gesprochen. Im Rahmen des globalen kirchlichen Hilfsnetzwerks ACT Alliance werden nach seinen Angaben Hilfsmaßnahmen vorbereitet. Humanitäre Hilfe ist im Norden Malis angesichts der Sicherheitslage gegenwärtig kaum möglich. Die Hoffnungen richten sich jetzt darauf, dass Nachbarländer wie Algerien, Mauretanien, Niger und übergeordnete Institutionen wie die UN oder auch ECOWAS mit Nachdruck auf eine politische Lösung der Krise hinarbeiten.

Wie hilft die Diakonie Katastrophenhilfe den Menschen im Sahel?

Mit vorrübergehenden Nahrungsmittelhilfe sichert die Diakonie Katastrophenhilfe die Ernährung von besonders bedürftigen Familien, die keine eigenen Reserven mehr haben. Im Rahmen von Arbeitsprogrammen – so genanntem Food-for-Work oder Cash-for-Work – erhalten sie als Lohn für gemeinnützige Arbeiten Getreide- und Lebensmittelrationen oder Geld, um selbst Lebensmittel zu kaufen. Das unterstützt gleichzeitig auch die lokalen Märkte.

Außerdem werden Getreidelager eingerichtet, wo die Ärmsten Getreide zu vergünstigten Preisen erhalten können. So wird auch verhindert, dass Familien oder Einzelne aus Verzweiflung ihre Dörfer verlassen und in die Städte abwandern, um dort Arbeit zu suchen. Gleichzeitig verstärkt die Diakonie Katastrophenhilfe zusammen mit ihrer Schwesterorganisation „Brot für die Welt“ die Vorsorge, um die Menschen im Sahel für künftige Dürrezeiten zu rüsten und auf die veränderten klimatischen Bedingungen vorzubereiten. Landwirtschaftsberater zeigen beispielsweise, wie sich mit entsprechenden Anbautechniken Wasser effektiver einsetzen lässt, verteilen trockenresistentes Saatgut und helfen Wasserspeicher oder Getreidebanken anzulegen.

Hat die Entwicklungshilfe im Sahel versagt?

Nein, im Gegenteil. In den Gebieten, in denen landwirtschaftliche Programme den Menschen helfen, ihre Anbaumethoden an die klimatischen Besonderheiten anzupassen, ist die Versorgungslage deutlich besser. Zusammen mit ihrer Schwesterorganisation „Brot für die Welt“ hat die Diakonie Katastrophenhilfe in den letzten Jahren beispielsweise schon in vielen Dörfern erfolgreich ermöglicht, durch das Anlegen von Gemüsegärten zusätzliche Ernährungsquellen zu erschließen.

Diese Familien können jetzt auf das angebaute Gemüse zurückgreifen, um die aktuelle Notsituation zu überstehen. Umso wichtiger ist es, solche Programme fortzuführen und die Selbsthilfekräfte weiter zu stärken. Bei Bedarf aber auch Nothilfe zu leisten, um die Entwicklungsfortschritte nicht zu gefährden.

diakonie_katastrophenhilfe

Die Themen der Woche

Dienstag, 26.6.2012
Sahelzone – Ursachen und Wirkungen der Krise

Mittwoch, 27.6.2012
Niger – Soforthilfe für die Ärmsten 

Donnerstag, 28.6.2012
Tschad – Ernährungssicherung im Zeichen des Klimawandels

Freitag, 29.6.2012
Burkina Faso – Nothilfe & Vorsorge

Samstag, 30.6.2012
Mali – Humanitäre Schutzzone  

Sonntag, 1.7.2012
Von der Katastrophenhilfe zur nachhaltigen Entwicklung