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Bild: Brot für die Welt

Sahelzone

Nachricht 25. Juni 2012

Ursachen und Wirkungen der Krise

Die Sahelzone ist ein breiter Trockengürtel am Südrand der afrikanischen Sahara-Wüste, der sich über eine Länge von etwa 7.000 km vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt. Zum Sahel zählen die Länder Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger, Senegal, Tschad und Sudan. Wie kaum eine andere Region der Welt leidet der Sahel immer wieder unter extremer Trockenheit, oft gefolgt von heftigem Regen und Überschwemmungen. Da ein Großteil der Bevölkerung von Viehhaltung und Getreideanbau lebt, schlagen sich diese Wetterextreme unmittelbar in der Versorgung nieder.

Nahrungsengpässe sind für viele Menschen im Sahel nicht ungewöhnlich. Selbst in "normalen" Zeiten sterben dort jedes Jahr 300.000 Kinder an den Folgen von Mangelernährung. Jetzt jedoch bahnt sich eine Versorgungskrise an, die das Leben von Millionen Menschen bedroht.

Nach Schätzungen der Europäischen Kommission sind aktuell sieben Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit betroffen. Allein 1,3 Millionen Kinder leiden an akuter Mangelernährung. Doch es könnten noch viel mehr werden, wenn nicht bald etwas geschieht. Fünf Länder der Region haben Ende 2011 den Notstand ausgerufen und um internationale Hilfe gebeten.

Drastische Ernteausfälle durch fehlenden Regen

Nachdem es 2011 in einigen Gebieten des Sahel erneut zu wenig, zu spät oder gar nicht geregnet hat, hat sich die Ernährungssituation dramatisch verschlechtert. Aufgrund der Dürre lagen die Ernten im Durchschnitt um 25 Prozent niedriger als im Vorjahr. Am härtesten betroffen sind Tschad, Niger und Mauretanien mit Ernteausfällen von bis zu 50 Prozent.

Doch auch in Burkina Faso und Mali wächst die Zahl der Menschen, die nicht mehr genug zu essen haben. Die "période de soudure", also die "magere Zeit" vor der nächsten Ernte, in der die Bauern von ihren Nahrungsvorräten zehren müssen, hat vielerorts statt im April bereits im Januar begonnen. Schon jetzt haben sich die Preise für Getreide im Vergleich zum Vorjahr teilweise verdoppelt.

Heimkehr in ein hungerndes Land

Erschwerend hinzu kommt die Rückkehr Hunderttausender Arbeitsmigranten aus dem Tschad und Niger, die wegen der Konflikte in Libyen und der Elfenbeinküste fliehen mussten. Ihren Familien fehlt nicht nur das Geld, das sie regelmäßig überwiesen haben. Mit den Heimkehrern steigt zugleich die Zahl der zu versorgenden Menschen.

Auswirkungen der letzten Dürre noch spürbar

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Bild: Diakonie Katastrophenhilfe

Viele Kleinbauern und Viehhalter, beispielsweise in Niger, haben sich zudem noch nicht von den Folgen der letzten Dürre erholt, die 2010 zu Missernten und Viehverlusten geführt hatte. Ihnen blieb keine Zeit, wieder Vorräte anzulegen, ihre Tierbestände aufzustocken oder neues Saatgut zu gewinnen. Ihre Reserven sind aufgebraucht und reichen nicht, eine erneute Krise zu überstehen. Mangel an Futter und Wasser treibt außerdem immer mehr Viehhalter dazu, auf der Suche nach Weideplätzen in andere Gebiete zu ziehen. Konflikte untereinander sind damit fast programmiert.

Andere Familien verkaufen, um zu überleben, ihr Vieh oder den wenigen Besitz, den sie noch haben. Eine fatale Strategie, die ihre weitere Existenz und Zukunft bedroht. Daneben wandern immer mehr junge Männer aus ihren Dörfern ab, um in den größeren Städten Arbeit zu finden. Zurückbleiben die Alten und Schwachen, Frauen und Kinder.

Unsichere Ernährungslage hemmt die Entwicklung

Doch die Krise im Sahel ist nicht nur dem Klima zuzuschreiben. Die Ursachen sind vielmehr vielschichtig und strukturell bedingt. Armut und politische Konflikte spielen ebenso eine Rolle wie negative Umweltfaktoren – Abholzung, Erosion und ausgelaugte Böden bringen nur niedrige Erträge hervor. Die Folge: chronische Nahrungsmittelunsicherheit. Nicht zuletzt darum gehören die Staaten der Sahelzone zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.

Dabei ist gerade Mangelernährung eines der größten Hemmnisse für Entwicklung. Bei Kleinkindern führt sie zu körperlichen und geistigen Defiziten, die sich nicht wieder aufholen lassen. Verschärft wird dieser Teufelskreis der Armut durch stetes Bevölkerungswachstum und schwache Regierungsführung. So fehlt es an landwirtschaftlichen Investitionen, Vorsorgestrategien und sozialen Grunddiensten.

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Nicht alle Länder gleich schwer betroffen

Fachleute sehen in der Zunahme der Wetterextreme im Sahel ein deutliches Anzeichen für die Verschärfung des Klimawandels. Immer öfter werden monatelange Trockenzeiten innerhalb kürzester Zeit von sintflutartigen Niederschlägen und Überschwemmungen abgelöst. Dabei gibt es jedoch – wie auch jetzt – regional große Unterschiede. In einigen der von der gegenwärtigen Krise betroffenen Länder ist der Regen bereits zum vierten Mal binnen weniger Jahre ausgeblieben. Andernorts gab es dagegen bei ausreichendem Regen gute Erträge.

Die Themen der Woche

Dienstag, 26.6.2012
Sahelzone – Ursachen und Wirkungen der Krise

Mittwoch, 27.6.2012
Niger – Soforthilfe für die Ärmsten 

Donnerstag, 28.6.2012
Tschad – Ernährungssicherung im Zeichen des Klimawandels

Freitag, 29.6.2012
Burkina Faso – Nothilfe & Vorsorge

Samstag, 30.6.2012
Mali – Humanitäre Schutzzone  

Sonntag, 1.7.2012
Von der Katastrophenhilfe zur nachhaltigen Entwicklung