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Bangladesh - Gebt uns unser Land!!

Nachricht 04. Dezember 2012

Ein beträchtlicher Teil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Bangladeschs ist in staatlichem Besitz. Laut Gesetz soll dieses Land an die Armen verteilt werden. Doch an der Umsetzung hapert es. Mit Unterstützung von „Brot für die Welt“ hilft die Organisation CDA den Landlosen, ihre Rechte durchzusetzen.

Land zum Überleben

Es ist ein bunter Zug, der sich an diesem Novembermorgen auf schmalen Wegen durch die sattgrünen Reisfelder im Nordwesten von Bangladesch schlängelt: rund 50 Frauen, Männer und Kinder, gehüllt in farbige Stoffe, „bewaffnet“ mit leuchtend gelben und orangenen Transparenten. Ihre Gesichter sind ernst, manchmal wütend.

Die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe aus dem Dorf Madhobati sind auf dem Weg zum nächsten Landbüro. Dort haben sie vor einiger Zeit ihre Anträge auf Land abgegeben. Aber außer leeren Versprechungen ist seither nichts geschehen. Eine kleine, zarte Frau ist die Anführerin der Gruppe. Doch auch wenn Alima Khatun eher zerbrechlich wirkt, strahlt sie jede Menge Kraft aus: „Wir wollen jetzt endlich wissen, was mit unseren Anträgen geschehen ist“, sagt sie. „Wir lassen uns nicht länger hinhalten. Und wenn wir hundert Mal vor dem Landbüro demonstrieren müssen – irgendwann können sie uns nicht mehr ignorieren!“ Ein Stück Land zu besitzen, das ist in Bangladesch keine Frage von Luxus, sondern eine Frage des Überlebens. Nur mit einem Stück Land kann man ein wenig Gemüse oder Obst anbauen und ein paar Hühner oder Enten halten.

Doch Land ist in Bangladesch ein knappes Gut. Denn hier leben rund 160 Millionen Menschen auf einer Fläche, die nicht einmal halb so groß ist wie Deutschland. Hinzu kommt, dass der Landbesitz sehr ungleich verteilt ist. Während wenige reiche Bauern große Ackerflächen ihr Eigen nennen, haben viele Menschen nur wenig oder überhaupt kein Land. Um ihre schwierigen Lebensbedingungen zu verbessern, hat der bengalische Staat vor einigen Jahren eine Landreform durchgeführt. Die Landlosen haben seitdem Anspruch auf so genanntes „Khas“-Land, Staatsland. Zuständig für die Verteilung dieses Landes sind die Landbüros.

Gemeinsam Druck ausüben.

Die genaue Gesetzeslage ist jedoch höchst kompliziert und schwer zu durchschauen. Für die Armen ist es deshalb fast unmöglich, ihr Recht in Anspruch zu nehmen: Wer nicht lesen und schreiben kann, scheidet von vornherein aus dem Bewerbungsprozess aus.

Und auch die Identifikation von Gemeinde- oder Staatsland ist sehr schwer, da es viele gefälschte Landbesitz-Papiere gibt und die Behörden oft korrupt sind. Großgrundbesitzer finden außerdem oft Gesetzeslücken, durch die sie ihren großen Landbesitz legitimieren können – obwohl es eigentlich verboten ist, mehr als neun Hektar Land zu besitzen. Von dieser Regelung ausgenommen ist Wohnland; auch Industriebetrieben wird eine größere Fläche zugestanden.

CDA, die Partnerorganisation von „Brot für die Welt“, hilft Landlosen dabei, sich erfolgreich auf „Khas“-Land zu bewerben. Dazu müssen sich Interessenten in kleinen Gruppen zusammenschließen: Nur gemeinsam hat ihr Anliegen Aussicht auf Erfolg, und die Mitglieder geben sich gegenseitig Unterstützung und Rückhalt. Zusammen mit CDA wird dann Einsicht in das Grundbuchamt genommen, um herauszufinden, welches Land in der Gegend „Khas“-Land ist. Anschließend hilft die Organisation, die Bewerbungsunterlagen auszufüllen und beim Landbüro einzureichen.

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