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Bild: Diakonie Katastrophenhilfe

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Nachricht 23. Juni 2013

Pakistan 2010: 20 Mio. Menschen obdachlos

Viele Katastrophen werden vergessen, noch während sie passieren. Andere Katastrophen bekommen zwar mediale Aufmerksamkeit auf dem Höhepunkt der Katastrophe, doch wenn das Ausmaß der Schäden zu sehen ist nach dem Rückgang der Flut oder Erdbeben, wendet sich die Aufmerksamkeit der Medien und Öffentlichkeit schon wieder neuen Themen zu. Was passierte beispielsweise nach der Flut in Pakistan Ende Juli 2010, die ein Drittel des gesamten Landes verwüstete und 20 Millionen Menschen dazu zwang, ihre Häuser zu verlassen?

Als sie den Schlüssel für ihr neues Haus überreicht bekommt, hat Mukhtiaran Begum Freudentränen in den Augen. Sie verlor ihr kleines Lehmhaus in der Flutkatastrophe und wohnte danach mit ihrem Sohn in einer notdürftigen Unterkunft aus Plastikfolien. Zwei Jahre nach der Katastrophe hält sie nun den Schlüssel für ihr neues Zuhause in der Hand, dass sie gemeinsam mit ihrem 22-jährigen Sohn Khaista Khan und seiner Frau bezieht. Im Rahmen der Wiederaufbauhilfe errichtete die Diakonie Katastrophenhilfe gemeinsam mit Partnern vor Ort in Mukhtiarans Dorf Gulabad neue Häuser.

Hilfe für 165.000 Menschen

Die Ausmaße der Katastrophe 2010 waren verheerend: Fast zwei Millionen Häuser wurden beschädigt und zerstört, 2,2 Millionen Hektar Ernten wurden vernichtet und eine halbe Million Nutztiere ertrank. Die ohnehin arme Bevölkerung verlor so ihre Grundlage zur Ernährungssicherung. Die meisten Häuser waren wie das von Mukhtiaran Begum aus Lehm, ein besseres Haus konnte sich die 60-jährige Witwe nicht leisten, obwohl auch ihr Sohn schon früh als Tagelöhner zum Haushalt beitrug. Mit den Wassermassen verlor die kleine Familie nicht nur ihren Besitz und ihre zwei Ziegen. „Ich musste zusehen, wie meine ganzen Habseligkeiten einfach aus dem Fenster gespült wurden“, erzählt die Mutter. Mit ihrem Sohn flüchtete sie sich aufs Dach und wartete dort drei Tage auf Hilfe.

Die Diakonie Katastrophenhilfe leistete nach der Flut mit ihren Partnern zunächst Not- und Aufbauhilfe vor allem in der stark betroffenen Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Zur Nothilfe verteilten die Katastrophenhelfer 12.500 Pakete mit Nahrungsmitteln, stellten 2.800 Zelte als Notunterkünfte aus und versorgten die Flutopfer mit rund 6.000 Schlafmatten und Decken. Über 165.000 Menschen konnte so geholfen werden. Ein besonderer Fokus lag auf der Wasser- und Hygieneversorgung: 432 Latrinen und 70 Trinkwassertanks wurden aufgestellt und Hygieneschulungen angeboten, damit sich nach der Flut nicht vermehrt Krankheiten durch verschmutztes Wasser verbreiten. 87.000 haben von den Schulungen und Hygieneangeboten profitiert. Nach der Katastrophe begannen auch die ersten Aufräumarbeiten, für die die Diakonie Katastrophenhilfe Helfer und Werkzeuge zur Reparatur besorgte. Viele der Helfer waren selbst Opfer der Flut.

1000 Häuser, Schulen und Gesundheitsstationen sollen neu gebaut werden

Zwei Jahre nach der Flut ist die Wiederaufbau-Hilfe in vollem Gang: Mit den Partner baute die Diakonie Katastrophenhilfe insgesamt bisher 350 Wohnhäuser im Charsadda-Distrikt wieder auf. Alle Gebäude sind so stabil konstruiert, dass sie Überschwemmungen und sogar Erdbeben bis zu einer Stärke von 6,5 standhalten können. Insgesamt sollen 1000 Häuser, Schulen und Gesundheitsstationen neu gebaut und Wasser- und Sanitäranlagen Instand gesetzt werden. Die Häuser bekommen diejenigen, die keine eigenen finanziellen Mittel haben, um sich selbst ihre Häuser wieder zu errichten – vor allem alte Menschen, Verwitwete oder Menschen mit Behinderung. Auch wenn noch viel zu tun bleibt, schöpft Mukhtiaran Begum wieder neue Zuversicht: „Die größte Sorge wurde uns genommen.“

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