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Bild: Diakonie Katastrophenhilfe

Vergewaltigung als Kriegstaktik

Nachricht 22. Juni 2013

Jeden Monat 1.000 Vergewaltigungen im Kongo

Wenn Kavuho über das spricht, was ihr passiert ist, schaut sie auf den Boden. Die 22-Jährige wurde bei einem Überfall auf ihr Dorf vergewaltigt. Jetzt hat sie ein Kind bekommen. Sie suchte Zuflucht im Frauenzentrum in Kirumba, im Nord-Kivu. Hier wird sie mit anderen Frauen, die auch Opfer sexueller Gewalt sind, betreut.

Jeden Monat werden in der Demokratischen Republik Kongo über 1.000 Frauen vergewaltigt. Nach Schätzungen sind seit Mitte der neunziger Jahre mehr als 200.000 Frauen von den Kämpfern vergewaltigt worden. Sie sind Kleinkinder, Mädchen, junge Frauen, Mütter und Großmütter.

Sexuelle Gewalt wird in kriegerischen Auseinandersetzungen oft als Kriegsmittel von Soldaten und Rebellen eingesetzt. Die Kriegsparteien wollen so Angst verbreiten und ihre Gegner demütigen. Doch auch diejenigen, die eigentlich die Frauen und Mädchen schützen sollen, beuten sie in Konflikten oft sexuell aus.
Die Folgen der Vergewaltigungen wiegen schwer.

Die Frauen leiden nicht nur unter den körperlichen und psychischen Folgen. Da sie von ihren Familien nach der Vergewaltigung oft verstoßen werden, leben die Frauen häufig in großer Armut. Sie haben keinen Besitz, keine Ausbildung und müssen oft ihre Kinder versorgen.

Damit diese Frauen eine Perspektive bekommen, errichtete die Diakonie Katastrophenhilfe gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation PAP-RDC (Programm d`Assistance aus Pygmées) im Jahr 2011 das Frauenzentrum. Hier erfahren die Frauen psychosoziale Hilfe, sie können eine Rechtberatung in Anspruch nehmen und einen Beruf erlernen. Dreimonatige Kurse bilden sie im Nähen, Häkeln oder Backen aus oder in Handwerken wie Seifenherstellung und Korbflechten. Anschließend erhalten sie mit einem Zeugnis für den Start auch eine Nähmaschine oder Stoff. Außerdem können sie an landwirtschaftlichen Schulungen teilnehmen, um so auch langfristig die Ernährung ihrer Familien abzusichern.

In den Schulungen gehen die Frauen in Gruppen auf die Felder, um Gemüse anzubauen. Nach den Übergriffen haben sie Angst, erneut Opfer von Gewalt zu werden. Nach dem dreimonatigen Kurs bekommen sie von dem Frauenzentrum auch ein Starterpaket, um mit dem landwirtschaftlichen Anbau außerhalb der Kurse beginnen zu können.

Ältere Frauen, die nicht mehr als dem Feld arbeiten können, bekommen Ziegen, um diese züchten zu können und so ein Einkommen zu sichern. Bereits 150 Frauen nahmen im vergangenen Jahr an den Schulungen teil. „Die Kurse eröffnen den Frauen nicht nur Einkommensmöglichkeiten, sondern geben ihnen auch Selbstvertrauen und Würde zurück. Ihre neu erworbenen Fähigkeiten sind wichtig für die Gemeinschaft, daher werden sie nicht mehr so leicht ausgegrenzt“, erklärt Marina Romiti, die den Projektstart für die Diakonie Katastrophenhilfe betreut hat.
Das Frauenzentrum schult auch die Mitarbeitenden der Polizei, von Rechtseinrichtungen und Mitarbeitende in der Sozialarbeit, damit sie Anlaufstellen für juristische Beratung bei sexueller Gewalt werden.

Auch Gesundheitseinrichtungen werden geschult, damit sie psychologische erste Hilfe leisten und die Opfer vorsorglich mit Mitten gegen sexuell übertragbare Krankheiten behandeln. Informationsveranstaltungen in den Dörfern und in Schulen klären über sexuelle Gewalt und ihre Folgen auf und beziehen die Angehörigen und Gemeinschaft mit ein.

diakonie_katastrophenhilfe

CIA World Factbook 2013 Democratic Republic of the Congo

  • Bevölkerung: 75,507,308
  • Bevölkerung, die in Armut lebt: 71%
  • Alphabetisierungsrate: 66,8 %
  • Lebenserwartung: 56,14 Jahre
  • Ärztliche Versorgung: 0,11 Ärzte pro 1.000 Einwohner
  • Zugang zu Trinkwasser: 55% nur schlechten Zugang

Fürbittengebet für den Kongo

Wir bitten dich um deine Gegenwart für die Menschen im Osten des Kongo,
erbarme dich aller, die so oft schon fliehen müssen,
lass sie doch endlich wieder ihre Felder bestellen,
damit sie die Früchte ihrer Arbeit und deines Segens genießen!

Erbarme dich auch der unzureichenden Kräfte der Friedensmission,
damit die Soldaten aus den unterschiedlichen Ländern ihren Auftrag erfüllen,
die Menschen zu schützen,  widerstehe dem Kalkül, mit noch mehr Militär und Waffengewalt  dem Morden und Vergewaltigen ein Ende setzen zu wollen.

Wir danken dir für die Vielen, die sich trotz der Gewalt für die Menschen einsetzen,
für die tausenden vergewaltigten Frauen, für die allein gelassenen Kinder, für das Recht auf Nahrung und Bildung, gib ihnen den Mut, der nötig ist,  um die Verzweifelten zu trösten und die Hoffnungslosen zu stärken,
gib deinen Segen allen, die viele kleine Schritte des Friedens gehen.

Erhebe dein Angesicht auf sie alle und sei ihnen gnädig,  damit dein Frieden einzieht bei den Menschen,  die du doch liebst und sie erhalten willst.