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Bild: Diakonie Katastrophenhilfe

Weltflüchtlingstag

Nachricht 19. Juni 2013

Weltflüchtlingstag erinnert an vergessene Katastrophen

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Hungere Kinder zwischen 5 bis 11 Jahren organisiert der Äthiopische Partner Notschulen, die rund 1.800 Kindern Lernmöglichkeiten und Abwechslung im tristen Flüchtlingsalltag bieten. Der Strom reiflt nicht ab: Mehr als 135.000 somalische Flüchtlinge, die Hunger und Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben haben, drängen sich mittlerweile in Dolo Adoüdem gößflten Lager auf äthiopischen Boden. Bild: Roman Farkas / Brot für die Welt

Mehr als 42 Millionen Menschen befinden sich weltweit auf der Flucht. Sie fliehen vor Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Sie werden in ihrem Land in andere Regionen vertrieben oder fliehen in einen Drittstaat. Flüchtlinge benötigen Schutz und Unterstützung. Sie brauchen Perspektiven und Rückkehrmöglichkeiten. Doch diese fehlen ihnen häufig. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen unterstützt sie die Diakonie Katastrophenhilfe von der Nothilfe bis zur Rückkehr.

Der Weltflüchtlingstag erinnert an ihr Schicksal und ist gleichzeitig Auftakt für die Sommerkampagne der Diakonie Katastrophenhilfe: Vergessene Katastrophen.

„Ich hatte überhaupt nichts mehr“, berichtet Justine mit stockender Stimme. Nachdem sie bereits einige Jahre zuvor ihr Heimatdorf im Ostkongo auf der Flucht vor Kämpfen verlassen musste, floh sie nun erneut. Ihr Zufluchtsort war von den Rebellen aufgesucht worden, die systematisch die Frauen im Dorf vergewaltigten. Die 30-Jährige floh mit ihren acht Kindern in den Norden des Landes.

Auf der Flucht

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Bild: Brot für die Welt

Genau wie Justine und ihre Kinder fliehen täglich Menschen aus ihrem Zuhause. Sie suchen Zuflucht in anderen Regionen in ihrem Land oder in anderen Staaten. Besonders viele Menschen fliehen aus Afghanistan, dem Irak, Somalia, Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, Myanmar und Kolumbien. Etwa die Hälfte aller Flüchtlinge sind Frauen und Mädchen. Knapp die Hälfte der Flüchtlinge ist unter 18 Jahren alt.

Wer auf der Flucht die Grenze seines Heimatlands übertritt, gilt als Flüchtling, der aufgrund von Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Ethnie oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen oder politischen Gruppe nicht den Schutz seines Staates annehmen kann. Da eine Rückkehr große Gefahr in sich birgt, haben Flüchtlinge völkerrechtlich besondere Rechte und Anspruch auf Hilfe. Doch die Mehrheit der Flüchtlinge flieht in Entwicklungsländer, die der großen Anzahl von Flüchtlingen diesen besonderen Schutz nicht gewährleisten kann. Pakistan, Iran und Syrien haben im Jahr 2011 jeweils über eine Million Flüchtlinge aufgenommen, auch arme Staaten wie die Demokratische Republik Kongo sind wichtige Zufluchtsländer für Flüchtlinge.

Etwa 28,8 Millionen Menschen fliehen in andere Regionen im eigenen Land. Sie sind noch gefährdeter als Flüchtlinge in Drittstaaten, da sie auf die Unterstützung ihrer Staaten angewiesen sind, die ihnen keinen Schutz gewährleisten können oder wollen. Sie haben keinen Zugang zu Grundrechten wie Bildung oder staatlichen Leistungen.

Flucht als Dauerzustand

Auch wenn 1951 mit der Genfer Flüchtlingskonvention eine rechtliche Grundlage für Flüchtlinge entstanden ist, ist die Situation vieler Vertriebener noch immer prekär. Die Genfer Flüchtlingskonvention definiert den Status als Flüchtling und ihre Rechte und Pflichten in Drittstaaten. Dazu gehören das Recht auf Sicherheit, Religionsfreiheit, Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Arbeitserlaubnis. Erst seit Ende der neunziger Jahre gibt es auch Leitlinien für Binnenvertriebene, die jedoch nur durch die Aufnahme in die nationale Rechtsprechung rechtsgültig werden.

Viele der Flüchtlinge sind über Jahre auf Flucht. Sie warten im Lager auf die Rückkehr oder neue Perspektiven, Familien werden getrennt, Kinder und Jugendliche entführt oder gezwungen, als Soldaten zu kämpfen. Sexuelle Gewalt und willkürliche Verhaftungen bedrohen Flüchtlinge besonders. Aus Angst suchen deswegen viele Flüchtlinge in abgelegenen Gebieten oder Armutsvierteln in Großstädten Schutz, wo sie selbst Hilfsorganisationen nur schlecht erreichen.

Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt gemeinsam mit ihren Partnern vor Ort Flüchtlinge zum Beispiel im Kongo, Sudan, Pakistan, Tschad oder Kolumbien.

Wir hatten vor der Flutkatastrophe in Deustschland eine Aktion zur Aufmerksamkeit auf vergessene Katastrophen geplant. Die Plakate wurden im Mai verteilt, Informationen zum Hintergrund und Materialien bereitgestellt. Auch über die Flut wollen wir diese vergessenen Katastrophen nicht vergessen und widmen uns ihnen darum in den nächsten Tagen.

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Flucht auf allen nur möglichen Fahrzeugen, Bild: Brot für die Welt