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Bild: Brot für die Welt

Verschwenden beenden

Nachricht 19. Oktober 2013

Mehr als die Hälfte der Lebensmittel landet nicht auf dem Teller

Die Gurke ist krumm, das Brot vom Vortag ist schon hart, vom Sechserpack Joghurt sind doch nur vier Joghurts geschafft – mehr als die Hälfte der Lebensmittel, die weltweit hergestellt werden, landen nicht auf dem Teller, sondern im Müll. Doch das liegt nur nicht am Einkaufsverhalten der Verbraucher. Oft schaffen Gemüse oder Obst gar nicht erst auf die strahlend hell beleuchteten Verkaufsauslagen, sondern enden direkt auf dem Müll: Weil sie zwar qualitativ einwandfrei sind, aber ihre Optik nicht gefällt. Demgegenüber steht knapp eine Milliarde Menschen auf der Welt, die an chronischem Hunger leiden.

Uwe Becker, Beauftragter für Brot für die Welt in der Landeskirche Hannovers, dazu im Interview.

Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Durchschnittlich 80 Kilogramm Lebensmittel wirft jeder Verbraucher in Deutschland im Jahr weg – was haben Sie für Tipps, um der Lebensmittelverschwendung im eigenen Haushalt vorzubeugen?


Um wenig Lebensmittel wegwerfen zu müssen, weil sie verdorben sind, ist ein guter Überblick über Ihre Vorräte wichtig: Sie haben noch Tomaten, die schon sehr reif sind, die Milch ist auch schon einige Tage offen, wenn Sie wissen, was Sie noch Zuhause haben, können Sie gezielter einkaufen und so leckere Gerichte zusammen stellen, ohne etwas zu verschwenden. Ein schneller Blick morgen in den Kühlschrank oder in den Gemüsekorb macht sich da bezahlt, um mittags oder abends gezielt einkaufen und kochen zu können. Bezahlt machen sich auch der Einkauf der richtigen Menge (Single-Packung oder Großpackung) sowie die richtige Lagerung der Lebensmittel.

Mindesthaltbarkeitsdatum

Immer wieder taucht im Zusammenhang mit der Diskussion um Lebensmittelverschwendung auch der Begriff des Mindesthaltbarkeitsdatums auf. Was hat es damit auf sich?

Seit 1981 gibt es das Mindesthaltbarkeitsdatum. In Punkto Lebensmittelverschwendung ist es verhängnisvoll: Mit der Begründung, die Kunden würden Fertigprodukte mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum in wenigen Tagen nicht mehr erwerben, landen solche Produkte in Supermärkten oft schon vor Ablauf auf dem Müll. Doch dieses Verhalten unterliegt einem klaren Irrtum: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum: Sprich, es sagt nicht aus, dass die Ware ab dem Zeitpunkt nicht mehr zum Essen geeignet ist. Vielmehr sagt es, dass manche Produkte ab diesem Zeitpunkt (bei vorschriftsgemäßer Lagerung) möglicherweise ihren Geruch oder Geschmack verlieren können. Oder auch verderben können, doch das ist eben nur eine mögliche Folge, vor der gewarnt wird. Fast alle Lebensmittel sind auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum noch ohne Bedenken zu genießen. Da sollten wir auf unsere Instinkte vertrauen und riechen und sehen, ob Lebensmittel bereits verdorben und damit ein Fall für die Tonne sind oder nicht.

Krummes Obst

Kommen wir zum Handel: Seit kurzem verkaufen auch Lebensmittelkonzerne wie REWE oder Edeka testweise krummes Obst und Gemüse, das bisher aufgrund seiner Optik aus dem Verkauf genommen wurde. Was denken Sie: Ein guter Ansatz des Lebensmittelhandels gegen Verschwendung oder reines Marketing?

Natürlich haben die Konzernchefs der Supermarktketten nicht plötzlich ihr Herz für Gemüse entdeckt, was krumm oder mehrbeinig gewachsen nicht der Handelsnorm über Länge, Krümmung usw. entspricht. Edeka zum Beispiel testet ja gerade erst in einem vierwöchigen Pilotprojekt, wie das vermeintlich „hässliche“ Gemüse bei den Käufern ankommt. In der Schweiz bietet die Kette Coop ja schon seit August krummes Gemüse und Obst an. Abgesehen von anderen Faktoren wie regionaler Anbau und saisonale Speisepläne ist das mit Sicherheit ein guter Ansatz, Verschwendung vorzubeugen. Denn aufgrund der Normen bleibt bei der Ernte vieles Gemüse oder Obst gleich auf dem Feld liegen und vergammelt dort oder wird zu Tierfutter verarbeitet und viele hundert Kilometer weit transportiert.
Letztlich ist jeder Versuch, Lebensmittelverschwendug zu verringern, ein guter Vorstoß: Denn wenn weniger verschwendet wird, können mehr Lebensmittel dazu verwendet werden, wozu sie gedacht sind: Um Hunger zu stillen. Weltweit.

Ein Vortrag in Ihrer Gemeinde?

Haben Sie selbst Fragen zur Lebensmittelverschwendung oder wollen Sie Uwe Becker für einen Vortrag einladen? Wenden Sie sich gern an ihn.