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Bild: Brot für die Welt

Hunger ist weiblich

Nachricht 17. Oktober 2013

60 Prozent der Hungernden auf der Welt sind Frauen

10 Stunden und mehr schuftet Sangeetha jeden Tag auf dem Reisfeld. Erschöpft und müde kauft sie von ihrem Lohn Essen für die Familie und kommt dann nach Hause. Hier kocht sie über einen kleinen Feuerstelle Abendessen. Ist es fertig, setzen sich zuerst ihr Mann und ihre zwei kleinen Söhne auf den Boden und bedienen sich am. Erst wenn sie satt sind, füllt Sangeetha sich selbst auf, was noch übrig ist. Oft ist das nicht viel. 60 Prozent der Hungernden auf der Welt sind Frauen. Gleichzeitig sind sie in vielen Kulturen der Schlüssel zur Ernährungssicherheit vieler Familien.

Denn Frauen sind in Entwicklungsländern besonders häufig in der Landwirtschaft berufstätig. Doch sie sind schlechter ausgestattet als Männer: Sie haben schlechteren Zugang zu Saatgut und einfachere Werkzeuge. Nach Recherchen der Welternährungsorganisation der UN erwirtschaften Bäuerinnen darum 20 bis 30 Prozent geringere Erträge. Auch bekommen sie seltener Kredite, um in den Aufbau ihrer Landwirtschaft investieren zu können. Würden sie für die Landwirtschaft mit denselben Mitteln wie Männer ausgestattet werden, könnte die Zahl der Hungernden weltweit nach Berechnungen der Welternährungsorganisation um etwa 100 Millionen Menschen sinken.

Bildung ist der Schlüssel

Obwohl in vielen Kulturen fast ausschließlich Frauen die Mahlzeiten zu bereiten (95 Prozent), sind sie es, die bei knappen Vorräten zugunsten ihrer Kinder auf Nahrung verzichten oder aus kulturellen Gründen zuerst die Männer sich satt essen lassen. In Südasien haben Frauen teilweise nur die Hälfte der Kalorien auf dem Teller, die ihre Ehemänner, Brüder und Söhne haben. Das hat Folgen: Frauen, die chronisch an Hunger leiden, sind durch Eisenmangel gefährdet, in der Schwangerschaft zu sterben. Überstehen sie die Schwangerschaft, gebären sie oft unterernährte Kinder, deren Risiko, in den ersten fünf Lebensjahren zu sterben um 20 Prozent höher ist als das von Kindern, deren Mütter nicht unterernährt sind.

Bildung ist der Schlüssel gegen die weibliche Seite des Hungers: Wenn Mädchen die Schulen besuchen können und Zeit haben zu lernen, statt beispielsweise umständlich Wasser zu besorgen, weil der Zugang zu Trinkwasser erschwert ist, haben sie später bessere Chancen auf eine gut bezahlte Anstellung. So umgehen sie unsicheren Arbeitsverhältnissen und Arbeitslosigkeit.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

vor knapp zwei Wochen feierten wir mit dem Erntedankfest, wie fruchtbar unsere Äcker und Böden sind. Schon längst essen wir im industriellen Zeitalter nicht mehr nur das, was wir selbst in unseren Gärten gesät und geerntet haben. Für viele kommen Nahrungsmittel heute einfach aus dem Supermarkt, die Herkunft ist unbekannt und oft von wenig Interesse. Je abstrakter der Zugang zur Nahrung wird, desto leichtfertiger gehen wir oft mit ihr um: In Deutschland werden im Jahr etwa 22 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das ist fast die Hälfte aller produzierten Lebensmittel. Am 16. Oktober erinnert der Welternährungstag an die Menschen auf der Welt, die an Hunger leiden: Zwischen 2010-2012 litten 868 Millionen Menschen an chronischem Hunger auf der Erden. Das sind 868 Millionen Hungernde zu viel. Dagegen müssen wir etwas tun. Engagieren Sie sich mit uns gegen den Hunger auf der Welt!

Ihr Uwe Becker

Uwe Becker, Beauftragter für Brot für die Welt in der Landeskirche Hannover