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Bild: Brot für die Welt

Land zum Leben - Landgrabbing

Nachricht 16. Oktober 2013

54. Aktion von Brot für die Welt

„Ich bin heute früh zum Jagen gegangen, drei Stunden lang. Nichts, rein gar nichts habe ich gefangen“, sagt José Chaile aus dem Dorf Cuchuy in Gran Chaco, Argentinien. Er steht mitten im Brachland eines gerodeten Waldes. Hier leben seit Jahrhunderten die Völker der Wichi, Toba und Guaraní, die gemäß der Konvention 169 der internationalen Arbeits¬organisation ILO auch die rechtmäßigen Besitzer des Waldes sind. Doch weil trotz der langen Nutzung festgeschriebene Landtitel fehlen, wird ihnen ihr Wald und Land genommen: Investoren eignen sich das Land an und roden es, um Monokulturen wie Soja anzubauen, die als Futtermittel oder Agrosprit exportiert werden. Den indigenen Völkern ist so die Lebensgrundlage genommen.

„Land zum Leben – Grund zur Hoffnung“ heißt die aktuelle 54. Aktion von Brot für die Welt. Denn der Zugang zum Land ist ein Schlüssel für ausreichend Nahrung. Fünf von acht sieben Menschen, die an Hunger leiden, leben auf dem Land. Sie können nicht genügend Nahrungsmittel anbauen oder produzieren, um sich zu ernähren. Das Recht auf Nahrung ist im UN-Sozialpakt völkerrechtlich festgeschrieben als Menschenrecht. Dass alle Menschen genügend zu essen haben, ergibt sich für viele Christen selbstverständlich aus ihrem Verständnis von Nächstenliebe. Doch an vielen Orten auf der Welt wird Menschen ihr Land genommen – und damit die Grundlage für Leben und sicheren Zugang zu Nahrung.
 

Verpachtung an Konzerne - Kleinbauern gehen leer aus

Land ist weltweit gefragt: Für den Anbau von Tierfuttermitteln, um Agrotreibstoff herzustellen oder auf Nahrungsmittel zu spekulieren. An der erhöhten Nachfrage nach Land wollen auch die Länder des Südens teilhaben: Sie verkaufen oder verpachten über große Zeiträume riesige Flächen an Konzerne aus anderen Ländern. Diese bauen hier Nahrungsmittel für den Export, vor allem aber Futtermittel für die Tiermast und Energiepflanzen wie Raps oder Zuckerrohr an. Die Verpachtungen oder Verkäufe treffen auch die Kleinbauern, die so ihre ohnehin kleinen Landflächen, meist unter einem Hektar und im schwer bebaubaren Gebiet verlieren. Oft ist dieses Land die Lebensgrundlage für ganze Familien. Die Konzerne nutzen, teilweise in Absprache mit den jeweiligen Regierungen, fehlende Landtitel traditionell genutzten Lands beispielsweise von Indigenen oder locken mit hohen Geldsummen zum Kauf.

Brot für die Welt setzt sich weltweit für eine gerechtete Nutzung von Land ein: Gemeinsam mit seinen Partnern unterstützt das kirchliche Hilfswerk Kleinbauern und Landlose wie José Chaile für eine gerechte Verteilung von Land. Dazu fordert Brot für die Welt auf, dass der Umgang mit Land weltweit reguliert wird. Gleichzeitig möchte das Hilfswerk Menschen anregen, in Ländern des Nordens ihren Umgang mit Lebensmitteln und Verschwendung dieser zu überdenken.

Wollen Sie mehr über das Projekt erfahren? Hier geht es weiter.

Land zum Leben

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor knapp zwei Wochen feierten wir mit dem Erntedankfest, wie fruchtbar unsere Äcker und Böden sind. Schon längst essen wir im industriellen Zeitalter nicht mehr nur das, was wir selbst in unseren Gärten gesät und geerntet haben. Für viele kommen Nahrungsmittel heute einfach aus dem Supermarkt, die Herkunft ist unbekannt und oft von wenig Interesse. Je abstrakter der Zugang zur Nahrung wird, desto leichtfertiger gehen wir oft mit ihr um: In Deutschland werden im Jahr etwa 22 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das ist fast die Hälfte aller produzierten Lebensmittel. Am 16. Oktober erinnert der Welternährungstag an die Menschen auf der Welt, die an Hunger leiden: Zwischen 2010-2012 litten 868 Millionen Menschen an chronischem Hunger auf der Erden. Das sind 868 Millionen Hungernde zu viel. Dagegen müssen wir etwas tun. Engagieren Sie sich mit uns gegen den Hunger auf der Welt!

Ihr Uwe Becker

Uwe Becker, Beauftragter für Brot für die Welt in der Landeskirche Hannover