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Weniger Kirchenmitglieder - und doch Mut für die Zukunft

An diesem Freitag haben die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer die Kirchenmitgliedszahlen für das letzte Jahr bekanntgegeben. Und es sind keine guten Zahlen: Die Austritte sind 2019 wieder angestiegen. "Das enttäuscht mich", sagte Landesbischof Ralf Meister bei der Präsentation, "aber es entmutigt mich nicht. Und es ändert nichts an unserem Auftrag als Kirche: Für die Menschen zu arbeiten zum Lob und zur Ehre Gottes.“

Die Zunahme der Austrittszahlen beträgt im Vergleich zum Vorjahr mehr als 16 Prozent. Es ist unklar, welche Gründe zu den vermehrten Austritten im Jahr 2019 geführt haben - spezifische Zeitpunkte im Jahr, an denen die Austrittszahlen besonders hoch lagen, gab es jedenfalls nicht. Langfristige Prognosen für die Entwicklung der Gesamtmitgliederzahl der Kirchen, etwa die „Freiburger Studie“, gehen schon lange davon aus, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder bis zum Jahr 2060 halbieren wird.

Der Verlust der Mitglieder im Jahr 2019 - so schmerzlich er ist - entspricht diesen Erkenntnissen. „Ich bin all unseren Kirchenmitgliedern sehr dankbar, dass sie durch ihre Mitgliedschaft unsere Arbeit mit und für andere Menschen möglich machen“, sagte Meister. „Sie setzen so ein starkes Zeichen der Solidarität, das unsere Gesellschaft dringend braucht.“

Dr. Stephanie Springer, die Präsidentin des Landeskirchenamtes, verwies bei der Vorstellung der Zahlen auf die Skepsis vieler Menschen gegenüber Institutionen und die abnehmende Bereitschaft, sich lebenslang an Vereine oder Organisationen zu binden. „Diese großen gesellschaftlichen Trends betreffen auch die Kirche und tragen dazu bei, dass wir jedes Jahr Mitglieder verlieren.“ Das werde man auch mit richtigen und notwendigen Reformbemühungen auf allen kirchlichen Ebenen in den kommenden Jahren nicht stoppen können.

Die sinkenden Mitgliederzahlen haben auch Auswirkungen auf die Finanzen der Kirche. „Im letzten Jahr haben die sehr guten Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu Zuwächsen bei den Kirchensteuereinnahmen geführt“, sagte Dr. Rolf Krämer, Leiter der Finanzabteilung der Landeskirche. „Das hilft uns, die erheblichen Einbrüche der Kirchensteuer in diesem Jahr wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie auszugleichen. Für die nächsten Jahre stellen wir uns darauf ein, dass wir aufgrund der Mitgliederverluste keine Steigerungen der Kirchensteuereinnahmen mehr haben werden. Die Einnahmen werden ungefähr auf dem Niveau des Jahres 2019 bleiben. Rechnet man die normalen Lohn- und Ausgabensteigerungen dagegen, heißt das, dass uns künftig immer weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.“

Unabhängig vom Verlust an Kirchenmitgliedern werde in den Gemeinden und kirchlichen und diakonischen Einrichtungen „tolle Arbeit“ geleistet, sagte Stephanie Springer. Die Bedeutung von Kirche und Wandlungsfähigkeit von Kirche habe sich gerade in der Corona-Zeit auf beeindruckende Weise gezeigt: „Wir haben erlebt, wieviel Innovationskraft in der Kirche steckt. Innerhalb von ganz kurzer Zeit sind viele wunderbare digitale, aber auch analoge Initiativen entstanden. Das macht Mut für die Zukunft.“

Info

Die Zahlen im Einzelnen

Zum Stichtag 31.12.2019 gehörten 2.482.015 Menschen zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Dies entspricht einem Rückgang von 50.586 Mitgliedern (1,99 %) gegenüber dem Vorjahr.

Im Jahr 2019 sind 41.412 Mitglieder verstorben (2018: 41.797), 30.413 Menschen traten aus der Landeskirche aus (2018: 25.996). Dem gegenüber stehen 20.179 Taufen (2018: 20.996) und 3.457 Aufnahmen (2018: 3.809).

Die Erträge aus Kirchensteuern betrugen 2019 611,7 Millionen Euro (2018: 594,8). Im Haushaltsjahr 2019 schloss das Jahresergebnis der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers mit einem Gewinn von 7,1 Millionen Euro (2018: Verlust von 23,1) ab.