Schwarzes Kreuz verschickt Weihnachtspäckchen an Inhaftierte

Nachricht 29. November 2021

Seit 1953 schickt das Schwarze Kreuz Weihnachtspakete hinter Gitter. 2020 wurde mit 1.456 Paketen wieder ein neuer Rekord erzielt. Der Verein hilft seit 1925 bundesweit Straffälligen und ihren Familien. Sein Anliegen ist es, Inhaftierte in eine bessere Zukunft ohne Straftaten zu begleiten und damit gleichzeitig neues Leid und neue Opfer zu verhindern. 
Ute Passarge begleitet die Ehrenamtlichen, die sich mit Freigängern etwa in Kreativcafés treffen oder ihnen Briefe schreiben.


Frau Passarge, das Schwarze Kreuz vermittelt zu Weihnachten Geschenkpakete in die Gefängnisse. Warum?
Passarge: „Weihnachten im Gefängnis ist oft eine sehr traurige Sache, manche Häftlinge nennen es auch Wein-nachten. In manchen Haftanstalten gibt es zu Heiligabend ein bisschen besonderes Essen, in manchen merkt man aber außer einem Gottesdienst auch nicht viel von den Feiertagen und sieht allenfalls etwas im Fernsehen. Und selbst wenn es Angehörige gibt, dürfen die keine Pakete schicken, weil der Aufwand zu groß wäre, alles zu kontrollieren. Wir als gemeinnütziger Verein dürfen über die Seelsorgenden und sozialen Dienste aber Pakete mit bestimmten Lebensmitteln schicken, anonym. Unsere Paketspenderinnen und -spender senden sie mit dem Absender der Celler Geschäftsstelle an die Kontaktpersonen, die sie dann an bedürftige Gefangene weiterverteilen. Und das lässt hier und da auch mal eine Träne über eine derbe Männerwange fließen, wenn die Häftlinge sehen, dass da jemand an sie gedacht hat, ihnen etwas schenkt und in einer Karte etwas Gutes wünscht. Die Grußkarten mit netten Worten sind übrigens oft noch wichtiger als der Lebkuchen, Kaffee oder Schokolade.“

Letztes Jahr hatten Sie einen Rekord: Über 1.400 Pakete wurden bundesweit verschickt. Aber selbst das reicht ja nicht, damit jede und jeder ein Paket bekommt. Wonach werden sie verteilt?
Passarge: „Es klappt ganz gut, dass die Seelsorgenden und Mitarbeitenden der sozialen Dienste uns im Vorfeld schon melden, wie viele Pakete sie gern hätten: Zum Beispiel für Menschen in Haft, die vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten, also nichts dazuverdienen können und nur rund 30 Euro Taschengeld im Monat bekommen. Und manche legen zum Beispiel zwei, drei Päckchen zur Seite, falls jemand an Heiligabend selbst, quasi vom Weihnachtsbaum weg, verhaftet wird und völlig verstört plötzlich in einem Haftraum sitzt.“

Die Pakete gehen an Menschen, die etwas auf dem Kerbholz haben, die geraubt, misshandelt, vielleicht sogar getötet haben. Sie sitzen zur Strafe ein. Warum sollten diese Menschen Geschenke bekommen?
Passarge: „Wir orientieren uns da an Jesus. Er hat auch mit allen am Tisch gesessen und das Brot gebrochen, egal, wo diejenigen herkamen, ohne zu bewerten, ob diejenigen seine Aufmerksamkeit verdienen. Die Geschenke sind keine Belohnung für irgendwas, sondern wir streuen sie breit, auf fruchtbaren wie unfruchtbaren Boden. Und wecken im besten Fall neue Hoffnung bei den Ausgegrenzten. Anhand der Dankeskarten, die uns dann im Januar erreichen sehen wir: Das bewirkt etwas bei den Inhaftierten.“

Christine Warnecke/Themenraum

Das Schwarze Kreuz

Seit 1953 schickt das Schwarze Kreuz Weihnachtspakete hinter Gitter. 2020 wurde mit 1.456 Paketen wieder ein neuer Rekord erzielt. Wer mitpacken möchte, wird gebeten, sich bis zum 06. Dezember beim Schwarzen Kreuz anzumelden. Die Kosten für den Inhalt betragen etwa 30 Euro.

Das Schwarze Kreuz Christliche Straffälligenhilfe e.V. hilft seit 1925 bundesweit Straffälligen und ihren Familien. Sein Anliegen ist es, Inhaftierte in eine bessere Zukunft ohne Straftaten zu begleiten und damit gleichzeitig neues Leid und neue Opfer zu verhindern. Die Geschäftsstelle in Celle begleitet und berät die rund 600 Ehrenamtlichen und Mitglieder. Das Schwarze Kreuz ist Mitglied im Diakonischen Werk Niedersachsen und Sachsen. Finanziert wird die Arbeit vor allem über Spenden.