Hanns-Lilje-Stiftungspreis 2021 geht mit insgesamt 25.000 Euro an die Theologin Dr. Tatjana Schnütgen aus Regensburg und an das hannoversche Asambura-Ensemble

Nachricht 19. März 2021

Sonderpreise erhalten die Künstlerin Susan Donath aus Dresden und der Künstler Nikola Sarić aus Hannover.

Dr. Tatjana Schnütgen_Fotostudio Zacharias
Dr. Tatjana Schnütgen. Foto: Fotostudio Zacharias

Hannover. Der diesjährige „Hanns-Lilje-Stiftungspreis Freiheit und Verantwortung“ wurde zum Themenfeld „Die bildende Kraft von Kunst und Kultur“ bundesweit ausgelobt. Mit insgesamt 25.000 Euro Preisgeld ist er der höchstdotierte Preis einer kirchlichen Stiftung.

Dr. Tatjana Schnütgen, Theologin, Religionspädagogin, und Tänzerin aus Regensburg ist die Preisträgerin in der Kategorie „Wissenschaftspreis“ (10.000 Euro). Sie eröffnet mit ihrer innovativen Dissertation zu Tanz und Spiritualität auf höchstem Niveau neue Perspektiven und stößt fällige Debatten an. Sie reflektiert exzellent zeitgenössische Tanzkunst als ästhetische Erfahrung, die spirituelle Räume eröffnen kann, ohne dass diese Erfahrungen theologisch vereinnahmt werden.

In der Kategorie „Initiativpreis“ (10.000 Euro) geht der Stiftungspreis an das hannoversche „Asambura-Ensemble“ mit Künstler/innen unterschiedlicher Herkunft und kultureller Zugehörigkeit, geleitet von Maximilian Guth. Es gelingt dem Ensemble wegweisend, kulturelle und interreligiöse Dialoge anzustoßen, indem es in den eigenen Kompositionen traditionelle und zeitgenössische Themen und Stile brillant verwebt. Zudem vermittelt es dies beispielgebend durch die partizipative Arbeit mit Jugendlichen.

Zwei Sonderpreise, dotiert mit jeweils 2.500 Euro, gehen an die bildende Künstlerin Susan Donath aus Dresden und den Künstler Nikola Sarić aus Hannover, für ihre herausragenden Arbeiten zur Erinnerungskultur und zur Verbindung traditioneller Ikonografie mit gegenwärtigen sozialen Herausforderungen.

Prof. Dr. Christoph Dahling-Sander, Sekretär der Hanns-Lilje-Stiftung, sagt: „Wir zeichnen 2021 eine Wissenschaftlerin und Künstler/innen aus, die mit ihren hochgradig innovativen Beiträgen aktuelle Debatten in der Begegnung von Kunst und Kultur mit Kirche und Theologie anstoßen. Sie leisten damit einen beispielgebenden Bei-trag, die Diversität unserer Gesellschaft und Kirche produktiv zu gestalten.“

Der Hanns-Lilje-Stiftungspreis wird alle zwei Jahre zu wechselnden Themen vergeben. Verliehen wird er in der Kategorie Wissenschaftspreis (10.000 Euro) für heraus-ragende Promotionen und Habilitationen und in der Kategorie Initiativpreis (10.000 Euro) an erfolgreiche Initiativen und Projekte von wegweisender Bedeutung. In diesem Jahr gibt es zusätzlich den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis. Die Preisverleihung soll im Spätsommer 2021 erfolgen.

Im Einzelnen

Preisträgerin für den Hanns-Lilje-Wissenschaftspreis 2021 (10.000 Euro):
Dr. Tatjana Schnütgen leistet mit ihrer Dissertation „Tanz zwischen Ästhetik und Spiritualität. Theoretische und empirische Annäherungen, Göttingen 2019“ einen erstklassigen interdisziplinären Beitrag zum Verständnis religiöser Gegenwartskultur. Sie arbeitet sehr versiert die weitgehend noch jungen Körper- und Tanzkonzepte in der Theologie systematisch auf und setzt sie in Beziehung zu grundlegenden, nicht-theologischen Konzepten des Tanzes und der Körpererfahrung. Auf der Grundlage qualitativer Interviews mit Tänzer/innen verschiedener Stilrichtungen zeigt sie außer-dem, wie unterschiedlich diese kirchlich beheimatet sind und welch innovative spiri-tuelle Praxis sie entwickeln.

Preisträger für den Hanns-Lilje-Initiativpreis 2021 (10.000 Euro):
Asambura-Ensemble – Verein für musikalisch-interkulturellen Austausch e.V. für das Projekt „Missa Melasurej“, in dem die Komponisten Maximilian Guth, Justus Czaske (beide Deutschland), Ehsan Ebrahimi (Iran) und Abdulrahim Aljouja (Syrien) europäische Instrumente und Traditionen mit denen anderer Kulturräume zum Klingen bringen. Das Werk baut auf der berühmten „Missa Papae Marcelli“ von Palestrina aus dem Jahr 1592 auf. Diese Messe stellte Bezüge zwischen westlichem Christentum, östlich-orthodoxem Christentum und dem Judentum her. Insofern war sie schon selbst interkulturell angelegt. Nun führen die Komponisten dies brillant weiter. Sie konfrontieren Palestrinas Musik mit der Imitation und Verarbeitung von musikalischen Traditionen aus dem Islam und chassidischen Judentum. Die Uraufführung fand 2019 in der St. Jakobi-Kirche in Peine statt. Es folgten Aufführungen in Hannover, Mannheim und anderen Städten. Weitere Aufführungen mussten Corona bedingt abgesagt werden.

Hanns-Lilje-Stiftungspreis – Sonderpreis 2021 (jeweils 2.500 Euro):
Susan Donath, Dresden, setzt sich in ihren Werken der bildenden Kunst zutiefst eindrücklich mit der Toten- und Sterbekultur auseinander. Sie absolvierte ein Meisterschülerstudium der Bildhauerei in Dresden. Ihren Objekten und Inszenierungen sind ihre sensiblen Recherchen unmittelbar anzusehen. Die künstlerische und inhaltliche Qualität ist überzeugend. Wie wichtig die Bearbeitung dieses Themenfeldes ist, zeigt sich gerade wieder während der Corona-Pandemie. Ihr Werk verbindet kirchliche und nichtkirchliche Erinnerungskultur und bietet feinsinnige Anstöße. Es fordert individuell wie auch gesellschaftlich heraus. So gelingt es der Künstlerin, bei den Betrachte-rinnen und Betrachtern neue Bilder entstehen zu lassen.

Nikla Sarić, Hannover, studierte in Belgrad auf der Suche nach Antworten auf existentielle Fragen in der postsozialistischen Gesellschaft erst an der staatlichen Universität und ging dann an die Akademie der serbisch-orthodoxen Kirche. Seit 2011 lebt er in Hannover, etwa seit 2014 wandelt sich sein Werk. Die Formensprache und Theologie der orthodoxen Ikonenmalerei transformiert Sarić auf brillante Weise, in-dem er sie mit zeitgenössischen Motiven verbindet, z.B. mit heutigen Märtyrern, mit Schergen mit Maschinenpistolen oder auch mit dem Machtmissbrauch durch Bischöfe.

Mitglieder der Jury des Hanns-Lilje-Stiftungspreises:
Prof. Dr. Thomas Erne, Philipps-Universität Marburg, Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst in der Gegenwart; Prof. Dr. Barbara Hornberger, Hochschule Osnabrück, Institut für Musik; Dr. Wolfgang Levermann, Mitglied des Kuratoriums der Hanns-Lilje-Stiftung, Kathleen Rahn, Direktorin des Kunstvereins Hannover; Dr. Stephan Schaede, Direktor der Evangelischen Akademie Loccum; Jutta Wendland-Park, Geschäftsführerin Rotenburger Werke der Inneren Mission, Mitglied des Kuratoriums der Hanns-Lilje-Stiftung; Prof. Dr. Christoph Dahling-Sander, Sekretär der Hanns-Lilje-Stiftung (geschäftsführend).

Die Stiftung:
Die Hanns-Lilje-Stiftung gehört zu den größten fördernden kirchlichen Stiftungen in Deutschland und trägt den Namen des ehemaligen Landesbischofs der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers. Wichtigstes Ziel der Stiftung ist es, den Dialog von Kirche und Theologie mit Wissenschaft, Technik, Wirtschaft, Kunst und Politik zu fördern.

Hanns-Lilje-Stiftung