Hannoveraner wollen Synagogen mit Menschenketten schützen

Nachricht 06. November 2019

Hannover. Mit Menschenketten vor Synagogen wollen Bürgerinnen und Bürger in Hannover nach dem Anschlag in Halle ihre Solidarität mit den jüdischen Gemeinden zeigen. Dafür sollen an diesem Freitag ab 15.30 Uhr vor drei jüdischen Gebetshäusern "Ringe der Solidarität" gebildet werden, erklärten die Initiatoren vom "Rat der Religionen" in der Stadt am Mittwoch. Die Aktion am Vorabend des 9. November, der an die Pogrome von 1938 erinnert, solle ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus setzen.

"Alle gutwilligen Menschen, egal ob sie an etwas glauben oder nicht, sind aufgerufen, sich zu versammeln und einzustehen für eine tolerante, offene und solidarische Gesellschaft", sagte der stellvertretende evangelische Stadtsuperintendent Thomas Höflich als Sprecher des "Rates der Religionen". Es gehe darum, "Solidarität nicht nur zu benennen, sondern sich konkret dafür in Bewegung zu setzen und ein Gesicht zu zeigen". Die Initiatoren rechnen mit mehreren hundert Teilnehmern.

Die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, Ingrid Wettberg, begrüßte die geplante Aktion: "Es ist ein ganz starkes Zeichen. Das ist wie ein Schutz um uns herum." Nach dem Anschlag in Halle seien viele Juden in großer Sorge, und die Gemeinde müsse viel Geld in Sicherheitsvorkehrungen investieren. Aufgrund der großen Solidarität vieler Bürger sei sie aber positiv gestimmt: "Ich glaube, wir schaffen es gemeinsam. Wir sitzen nicht auf gepackten Koffern, sondern wir möchten hierbleiben." Die liberale Gemeinde will am Freitagabend eine mehr als 100 Jahre alte Tora-Rolle mit den fünf Büchern Mose einweihen, die sie aus einem Nachlass erhalten hatte.

Bei den "Ringen der Solidarität" sollen Kerzen als Zeichen des Friedens und der Verbundenheit an die Teilnehmer verteilt und entzündet werden. Geplant sind zudem kurze Wortbeiträge von Vertretern aus Religion und Politik. "Mit Entsetzen und Zorn über die Brutalität und Menschenverachtung stehen wir vor einer neuen Herausforderung", heißt es in dem Aufruf zu der Aktion mit Blick auf den Anschlag in Halle vom 9. Oktober. Dort erschoss ein Rechtsextremist zwei Menschen, nachdem es ihm nicht gelungen war, in die verbarrikadierte Synagoge einzudringen.

Der evangelische Sprengel Hannover unterstützt unterdessen die fünf jüdischen Gemeinden in und um Hannover bei der Installation von Sicherheitsvorkehrungen mit jeweils 3.500 Euro. Es sei unerträglich, dass Gemeinden unter Polizeischutz beten müssten, sagte Regionalbischöfin Petra Bahr. "Als Christinnen und Christen liegt uns der Schutz jüdischer Gottesdienste am Herzen." Die enge Zusammenarbeit der Religionen in Hannover sei "ein Glücksfall in solchen Zeiten". Zum "Rat der Religionen" in Hannover gehören Christen, Juden, Muslime, Hindus, Buddhisten und Angehörige der Bahai-Religion.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Geplante "Ringe der Solidarität"

15.30 Uhr vor dem Jüdischen Zentrum "Chabad Lubawitsch, Stettiner Weg 50, 30625 Hannover

17.00 Uhr vor der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Hannover, Haeckelstraße 10, 30173 Hannover

18.00 Uhr vor der Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde, Fuhsestraße 6, 30419 Hannover