Margot Käßmann: Frauen müssen in Kirche größere Rolle spielen

Nachricht 26. Juli 2019

Die Theologin Margot Käßmann hat junge Pfarrerinnen zu mehr Selbstbewusstsein ermutigt. "Wie oft ist das Bild von Kirche in aller Welt immer noch von Männern bestimmt!", heißt es in einem Beitrag der früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" (Donnerstag). Deshalb begrüße sie die Frauenbewegung Maria 2.0. Die Reforminitiative setzt sich für mehr Beteiligung und Rechte in der römisch-katholischen Kirche ein.

An junge Theologinnen gerichtet erklärte Käßmann: "Es gibt weder eine perfekte Pfarrerin noch eine perfekte Mutter. Und befreit euch von diesen Bildern: züchtige Jungfrau, keusche Reinheit." Gleichzeitig forderte Käßmann junge Pfarrerinnen auf, nicht vor beruflichen Konflikten zurückzuscheuen. "Bemüht euch um ein gutes Arbeitsklima. Es ist so belastend, in Zusammenhängen zu arbeiten, in denen bleischwer und unausgesprochen Konflikte herumhängen. Frauen konfrontieren nicht gern, ich war oft auch konfliktscheu. Aber Gewitter reinigen wirklich die Luft - wir können sie ja auch mit Charme in Gang bringen." Weiter schreibt sie: "Also, ihr jungen Frauen im Pfarramt: Lasst euch nicht verbiegen! Seid ihr selbst und versucht nicht, eine Rolle zu spielen im Amt."

Käßmann ist Botschafterin des Kinderhilfswerks terre des hommes. Die 61-jährige Theologin stand als erste Frau an der Spitze der EKD und war von 1999 bis 2010 Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Sie war unter anderem Botschafterin für das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Im Sommer 2018 wurde sie in den Ruhestand verabschiedet.

epd