Theologin Käßmann beklagt Nationalismus

Nachricht 26. Dezember 2018
Kaessmann_2018
Bild: Baumgart

Bielefeld/Hannover. Margot Käßmann hat mit Blick auf die Weihnachtsgeschichte einen zunehmenden Nationalismus beklagt. Die Bibel erzähle von der Migration des Volkes Israel aus Ägypten ins "Gelobte Land", sagte Käßmann der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" (Montag). Maria und Josef flüchteten vor der Gewalt seines Herrschers nach Ägypten. "Deshalb schockiert mich der aktuelle Nationalismus", sagte die ehemalige hannoversche Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Käßmann kritisierte zudem eine Verrohung in der Debattenkultur in Deutschland. "Tabus wurden gebrochen, etwa wie Menschen übereinander reden", sagte die Theologin im Ruhestand, die bis letztes Jahr Botschafterin für das 500. Reformationsjubiläum der EKD war. Im Internet würden Schranken überschritten. "Öffentliche Personen der AfD versuchen, solche Sprache zu legitimieren", kritisierte Käßmann. "Die Tatsache, dass Nationalsozialismus nie wieder passieren darf, wird infrage gestellt."

Als Beispiel nannte Käßmann das umstrittene Zitat von AfD-Parteichef Alexander Gauland. Dieser hatte mit der Aussage Empörung ausgelöst, die NS-Zeit sei "nur ein Vogelschiss" in der deutschen Geschichte gewesen.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen