Käßmann: Evangelische Kirche ist offener für Homosexuelle geworden

Nachricht 23. April 2018

Laatzen/Reg. Hannover. Die evangelische Kirche ist aus Sicht der Theologin Margot Käßmann in den vergangenen Jahrzehnten deutlich offener für homosexuelle Menschen geworden. "Wie selbstverständlich ist es geworden, dass ein Pfarrer homosexuell ist und mit seinem Mann ins Pfarrhaus einzieht", sagte Käßmann am Sonntag in Laatzen bei Hannover in einem Festgottesdienst zum 40-jährigen Bestehen der Ökumenischen Gemeinschaft Homosexuelle und Kirche Hannover. Mitglieder von Kirchenvorständen seien heute homosexuell, und selbst Kirchenleitende lebten dies offen.

"Es hat sich viel verändert", sagte die frühere hannoversche Landesbischöfin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) laut Redemanuskript. Das sei ein Grund zum Feiern. "Dass am Ende die Liebe gesiegt hat in unserer Kirche, dafür bin ich Gott von Herzen dankbar." Auf dem Weg dorthin hätten homosexuelle Menschen allerdings viele Kränkungen erleiden müssen. "Beim Feiern werden wir nie vergessen, wie weh vieles getan hat, wie groß die Opfer waren, die manche gebracht haben", betonte Käßmann. Und es gebe immer noch Diskriminierung. Viele homosexuell liebende Menschen würden heute noch verfolgt, ja getötet.

In ihrer Festpredigt erinnerte Käßmann an Theologen der hannoverschen Landeskirche, die nicht Pfarrer werden oder ihr Pfarramt viele Jahre nicht ausüben durften, weil sie sich als homosexuell zu erkennen gegeben hatten. "Das war ein steiniger Weg", sagte sie. Käßmann betonte aber auch: "Danke für den langen Atem, für das Wegstecken so mancher Verletzung und die liebevolle Überzeugungsarbeit."

Käßmann hatte während ihrer Amtszeit von 1999 bis 2010 selbst dazu beigetragen, homosexuellen Theologen den Weg ins Pfarramt zu ermöglichen. Bei dem Festgottesdienst in der Laatzener Thomasgemeinde erinnerte sie auch daran, dass ihr Amtsnachfolger Ralf Meister im November 2017 unter dem Beifall des Kirchenparlaments öffentlich um Verzeihung dafür gebeten hatte, was die Landeskirche homosexuellen Menschen an Kränkungen und Diskriminierungen zugefügt habe.

Die Ökumenische Gemeinschaft Homosexuelle und Kirche Hannover erklärte, die "Ehe für alle" oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare seien im Gründungsjahr der Gemeinschaft 1978 noch undenkbar gewesen. Die Anerkennung homosexueller Paare und andere Fortschritte seien "unter anderem Früchte eines langen, kraftvollen Wegs, den die HuK Hannover in den zurückliegenden 40 Jahren gegangen ist", sagte der Ruhestandspastor Hans-Jürgen Meyer vom Vorstand.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen