Sie will blinden Kindern und Jugendlichen zeigen, wie wertvoll sie sind

Nachricht 28. Februar 2018

Hildesheim. Die 34-jährige Jessica Schröder wird für die Hildesheimer Blindenmission nach Myanmar reisen, um dort beim Aufbau der Blindenarbeit zu helfen. Jessica Schröder ist selbst blind geboren, doch sie ist überzeugt, der Aufgabe gewachsen zu sein – ebenso wie der Vorstand der Blindenmission und deren Leiter Pastor Frank Ewert.

„Ich weiß, wie es ist, allein zu reisen“, erklärt Jessica Schröder und gibt bei einem Pressegespräch einen Abriss ihres Lebenslaufs. Der umfasst das Studium der Sozialpädagogik, Politikwissenschaft und des Sozialmanagements ebenso wie praktische Erfahrung in der Organisation von Veranstaltungen, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit, beim Einwerben von Fördermitteln oder im Umgang mit Politik- und Verwaltungsstrukturen. Zwei Jahre hat sie schon in Indien Auslandserfahrungen gesammelt.

Im Juni soll die Reise nach Myanmar losgehen, bis dahin ist noch viel zu tun. Einen prall vollen Terminkalender habe sie zurzeit, erklärt Jessica Schröder. In Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Brot für die Welt und anderen Organisationen nimmt die 34-Jährige an vorbereitenden Seminaren teil, macht Praxiserfahrungen in Schulen und lernt außerdem Burmesisch. Dazu gehört auch, neu lesen zu lernen. Denn so wie sich die Schriftzeichen des Burmesischen von den lateinischen Buchstaben unterscheiden, ist auch die Brailleschrift nicht identisch.

Im Jahr 2013 hat die Hildesheimer Blindenmission die Ba-Wa-Thit-Blindenschule in Meiktila in der Provinz Mandalay gegründet. Dort werden zurzeit 32 Kinder und Erwachsene unterrichtet. Die Erwachsenen erhalten neben der Schulbildung eine Ausbildung als Masseure oder Masseurinnen und können später in Massagepraxen in der Region Beschäftigung finden, die der Schulleiter gegründet hat.

Die Blindenmission arbeitet vor Ort und in der Großstadt Rangun mit dem burmesischen Blindenverband zusammen und wird unterstützt von Brot für die Welt und von der Deutschen Botschaft. Die Schule selbst erhalte auch sehr viel Hilfe durch Spenden und Arbeitseinsatz von Freiwilligen aus der Umgebung, erklärt Pastor Frank Ewert. Die charismatische Persönlichkeit des Schulleiters U Tin Moe und die Unterstützung der Mönche aus buddhistischen Klöstern der Region trügen sehr zur Akzeptanz der Schule in der Bevölkerung bei, erläutert Frank Ewert.

In Myanmar herrsche grundsätzlich eine Scheu vor der Blindheit und vor Behinderung überhaupt, sagt Rudolf Rengstorf, Vorstandsvorsitzender der Hildesheimer Blindenmission. Kinder würden eher von ihren Familien versteckt als in eine Schule geschickt. Der erste Schritt der Schulbildung sei daher, „den Kindern das Gefühl zu vermitteln, dass sie wertvoll sind und etwas leisten können“, erläutert Jessica Schröder. Auch bei den Herkunftsfamilien könne das Bewusstsein dafür geweckt werden.

Ganz praktisch wird es bei dem auf drei Jahre angelegten Projekt aber auch darum gehen, die Herstellung von Hilfsmitteln für Blinde in Myanmar voranzubringen. Damit blinde Kinder dort eines Tages einmal die Regelschulen in der Nähe ihrer Familien besuchen können.

Kultur & Kommunikation Hildesheim