"Hilfe darf nicht nach Herkunft fragen"

Nachricht 26. Februar 2018
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Bild: Annette Zoepf/epd-bild

Hannover. Landesbischof Ralf Meister hat sich dafür ausgesprochen, bei Hilfsleistungen nicht nach Nationalität zu unterscheiden. Weder für staatliche Stellen noch für zivilgesellschaftliche Initiativen dürfe die Herkunft der Hilfesuchenden eine Rolle spielen, sagte Meister in einem Gastbeitrag für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND, Sonnabend). "Wer bedürftig ist, dem wird geholfen. Von diesem Grundsatz dürfen wir keinen Millimeter abrücken. Sonst bricht die Solidarität - und damit die Nächstenliebe." Die Essener Tafel hatte angekündigt, bis auf weiteres nur noch Bedürftige mit deutschem Pass als neue Kunden aufzunehmen.

Zugleich kritisierte der Bischof der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland die Politik dafür, dass immer mehr Menschen auf Hilfe durch die Tafeln angewiesen seien. Die Tafeln sollten eigentlich ein Zusatzangebot sein, das in sozialen Notlagen ein wenig mehr Lebensqualität zu ermögliche, sagte Meister. Mittlerweile seien sie jedoch für viele "ein unverzichtbarer Anlaufpunkt, um nicht hungern zu müssen. Das ist der eigentliche Skandal." In Essen dürfe die politische und gesellschaftliche Schieflage jetzt nicht auf dem Rücken der Schwächsten im Land ausgetragen werden. "Hier sind alle Verantwortlichen gefordert, eine Lösung zu finden."

Der Vorstand der Essener Tafel erklärte, der Anteil der Migranten unter den 6.000 Menschen, die regelmäßig Lebensmittel erhielten, sei auf 75 Prozent gestiegen. Ältere Menschen und Alleinerziehender würden auf diese Weise schleichend verdrängt. Die Tafel will den Aufnahmestopp wieder aufheben, wenn das Verhältnis ausgeglichener ist.

Die rund 930 Tafeln in Deutschland sammeln überschüssige Lebensmittel, die nach den gesetzlichen Bestimmungen noch verwertbar sind, und geben diese an Bedürftige ab. Sie haben sich im Bundesverband Tafel Deutschland auf bestimmte Grundsätze und ein Leitbild verpflichtet.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen