Partnerschaft mit Kirchen im Libanon: Reisetagebuch - 3. Tag

Nachricht 14. Februar 2018

"Die Rufe zum Gebet haben unseren heutigen Arbeitstag eingerahmt, der uns schon früh am Morgen in den Süden des Landes über Nabathie nach Sidon geführt hat.

In Nabatieh besuchten wir die National Evangelical School, die 20 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt liegt – in einer fast ausschließlich von Schiiten bewohnten Region. Die Evangelische Kirche versteht die schulische Arbeit als besonderen Auftrag, ist im Dialog mit den Schiiten und auch der Hisbollah. Die hohe Qualität spiegelt sich in einer binnen der letzten fünf Jahre verdoppelten Schülerzahl wider. Zur Zeit besuchen rund 1200 Schülerinnen und Schüler im Alter von drei bis achtzehn Jahren das architektonisch offen gestaltete Gebäude. An die Stelle eines Religionsunterrichts tritt angesichts der Tatsache, dass fast 100% muslimische Kinder und Jugendliche unterrichtet werden, gemeinsamer Ethik- und Philosophieunterricht. Ausgeprägt ist daneben eine in der Schulgemeinschaft geteilte christliche Feier-Kultur (Weihnachtsmarkt nach deutschem Vorbild, Ostern, auch Valentinstag…).

Anschließend besuchten wir die 1862 gegründete Evangelische Schule für Jungen und Mädchen,  seit 1959 in der Trägerschaft der Synode. In Sidon - der Stadt, in der der Apostel Paulus zwei Jahre lebte und von der aus er zu seiner zweiten Missionsreise aufbrach - wohnen heute 95% Muslime und 5% Christen. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich seit langer Zeit ein palästinensisches Flüchtlingscamp mit ca. 80.000 Bewohnern. Die Zahl der palästinensischen Schüler auch aus diesem Camp ist mit 229 bei insgesamt gut 1.600 Schülerinnen und Schülern groß. Die Schule arbeitet nach einem Programm zur Persönlichkeitsentwicklung :  Die Abkürzung „RICH“  steht für die auf dem Foto abgebildeten Werte. Schon ganz früh werden Angebote zur Kleinkindbetreuung gemacht; die meisten Kinder bleiben bis zur Hochschulreife an der Schule.

Wir haben erlebt, wie sehr die Identifikation aller an den Schulen Arbeitenden das Schulleben und die Außenwirkung prägen. Sie vermitteln, dass gemeinsam Entwicklung möglich ist.

Ein Rundgang durch die historische Altstadt auf den Spuren des Paulus rundete den Tag ab."

Elke Helma Rothämel

Reisetagebuch

Seit Samstag (10.02.2018) ist eine Delegation der Landeskirche Hannovers im Libanon. Ziel der Reise sind weitere Verabredungen zum Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen mit den evangelischen Kirchen im Libanon. Das gilt besonders für die Nationale Evangelische Synode in Syrien und im Libanon, die besondere Akzente in der schulischen Arbeit setzt.

Der Delegation gehört auch Studiendirektorin Elke Helma Rothämel an. Sie leitet die Evangelische IGS Wunstorf. Gemeinsam mit den anderen Delegationsmitgliedern berichtet sie von der Reise.

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