2030 als Zielmarke für ökumenischen Durchbruch

Nachricht 13. November 2017

Bonn/Bückeburg. Die evangelische Kirche sieht die Ökumene durch die Feiern zum 500. Reformationsjubiläum deutlich belebt, will aber weiter in langen Zeiträumen denken. In den Bemühungen um ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten richten protestantische Spitzenrepräsentanten aus Deutschland den Blick verstärkt auf das Jahr 2030. Anlass sind Äußerungen des für Ökumene zuständigen Kurienkardinals Kurt Koch, der das 500. Jubiläum der Bekenntnisschrift Confessio Augustana für eine entsprechende gemeinsame Erklärung der Konfessionen ins Gespräch gebracht hat. Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und schaumburg-lippische Landesbischof, Karl-Hinrich Manzke, riet zur Geduld.

"Wenn sie in ökumenischen Dimensionen denken, ist das fast schon morgen oder übermorgen", sagte der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad am Sonnabend am Rande von Tagungen evangelischer Kirchenparlamente in Bonn. Er warnte davor, nach den "atmosphärischen Zeichen des Vertrauens und der Freundschaft" im Jahr des 500. Reformationsjubiläums auf schnelle Erfolge zu drängen. Schad ist für die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) in leitender Funktion an Ökumene-Gesprächen mit dem Päpstlichen Einheitsrat beteiligt.

Das Augsburger Bekenntnis aus dem Jahr 1530 war nach den Worten des pfälzischen Kirchenpräsidenten der letzte große Versuch in der Reformationszeit, die Einheit der Kirche zu retten. Insofern sei dessen 500. Jubiläum als Zielmarke für einen ökumenischen Durchbruch lohnenswert.

Das gemeinsame Abendmahl scheitere bisher vor allem an der katholischen Auffassung, die Kirchen der Reformation hätten die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt, sagte Schad. Das liege daran, dass die Ordination von Pfarrern in den evangelischen Kirchen kein Sakrament ist. Dennoch halte er eine Annäherung in dieser Frage für möglich.

Der Catholica-Beauftragte Manzke sagte: "Der lange Atem bleibt Grundvoraussetzung für alle ökumenischen Entwicklungen." Irritiert hätten ihn die jüngsten Äußerungen des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki. Der beschreibe "Positionen der evangelischen Theologie und Kirche auf eine Art und Weise, die in das Zeitalter konfessioneller Verzeichnungen gehören", kritisierte Manzke. Die "Positionszuweisungen des ökumenischen Gegenübers" seien alarmierend. "Zeigen sie doch, dass die Rezeption der erarbeiteten Verständigung über bislang bestehende Differenzen noch einen weiten Weg vor sich hat."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen