Landesbischof Meister lobt Arbeit der Polizei

Nachricht 27. April 2017
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Weißes Polizeihemd mit blauer Aufschrift Bild: skyla80 / photocase.com

Nienburg. Landesbischof Ralf Meister hat die hohen Anforderungen einer modernen Gesellschaft an die Polizeiarbeit hervorgehoben. "Die Polizei ist nicht zuerst das schützende Bollwerk gegen das Böse, sondern ein staatlicher Akteur für den Erhalt der Freiheitsrechte und der Stärkung einer friedlichen Gesellschaft", sagte der evangelische Theologe am Mittwochabend in Nienburg. Sowohl die Ansprüche an die Polizei nähmen zu als auch die kritische Aufmerksamkeit für ihr Handeln, betonte Meister als Schirmherr der Veranstaltung "Reformation und Polizei? Eine Spurensuche" in der Polizeiakademie Niedersachsen.

Der Reformator Martin Luther sei im 16. Jahrhundert noch davon ausgegangen, dass der Mensch "mit Gesetz und Schwert im Zaum gehalten werden muss", sagte Meister seinem Manuskript zufolge. Für eine Demokratie sei dieses Menschenbild jedoch zu einfach. Hier gehe es darum, dass sich die Freiheitsrechte des Einzelnen so entfalten könnten, dass das Gemeinwohl gestärkt werde. In diesem Sinn habe die Polizei eine gemeinschaftsstiftende Aufgabe. "Ich habe außerordentlichen Respekt davor, wie Sie diesen Auftrag erfüllen", sagte der Bischof.

Der leitende Polizeiseelsorger der evangelischen Kirchen in Niedersachsen, Frank Waterstraat, übersetzte den Obrigkeitsbegriff des biblischen Apostels Paulus für die moderne Polizeiarbeit: Wenn Präventionsprogramme die Menschen nicht mehr erreichten und sie zu Verbrechern würden, müsse konsequentes polizeiliches Handeln ethisch legitimiert sein.

Dies reiche "bis hin zum Einsatz tödlicher Gewalt gegen die, die unsere Freiheit dazu missbrauchen, zu zerstören und zu morden", sagte der Leiter des Kirchlichen Dienstes in Polizei und Zoll und fügte hinzu: "Wenn die Polizei solche Täter mit aller Härte bekämpft, muss dieses auf der Basis unseres Grundgesetzes geschehen." Dies sei ein herausragender Unterschied zur Polizeiarbeit in Diktaturen.

Der Polizeihistoriker Dirk Götting erläuterte, dass die Vorläufer der modernen Polizei sich zur Zeit der Reformation im ausgehenden Mittelalter entwickelt hätten. Daraus sei im Lauf der Zeit eine säkularisierte, also eine weltliche Polizei geworden, die sich aus Glaubensfragen herauszuhalten habe. Als Teil einer kritischen Öffentlichkeit befinde sich die Polizei selbst "in einem ständigen Anpassungs- und Veränderungsprozess".

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen