Auswandererhaus geht neue Wege in der Migrationsforschung

Nachricht 24. April 2017

Bremerhaven. Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven hat neue Wege in der Migrationsforschung eingeschlagen. In einem "Studio Migration" könnten ab sofort Ein- und Auswanderer ihre Geschichte mit Mikrofonen und Kameras aufzeichnen, teilte das Museum am Freitag mit. An Medienstationen bekommen Besucher die Möglichkeit, sich die von Wissenschaftlern geführten Interviews anzusehen und anzuhören und sich so ein eigenes Bild über die Migrationsgründe zu machen. Mit dem Studio wolle das Museum zu einer sachlichen Debatte über Migration beitragen.

Außerdem könnten die Museumsgäste dort täglich ihre Meinung zu bestimmten politischen Migrationsfragen anonym abgeben. Am jeweils kommenden Tag sollen die Ergebnisse im Studio als Spiegelbild der Gesellschaft veröffentlicht werden. Die Besucherbefragungen werden so eine wertvolle Quelle für die Migrationsforschung, sagte Museumsdirektorin Simone Eick.

Mit dem "Studio Migration" verlasse das Auswandererhaus die gewohnten Pfade eines Museums, erläuterte Eick. Es führe die museale Geschichtsdarstellung zusammen mit einem aktuellen Forum zu gesellschaftlichen Debatten um Migrationsfragen. Besucher sollten animiert werden, ihre eigene Familiengeschichte zu erzählen, historische Vergleiche zu ziehen, ihre Meinung zu äußern und infrage zu stellen.

Das Studio sei das Ergebnis eines Prozesses unter der Überschrift "Angst in Neugierde verwandeln", hieß es weiter. Zwei Jahre lang hätten Experten überlegt, wie aktuelle Ereignisse und Debatten rund um Migrations- und Integrationsfragen in einem kulturhistorischen Museum präsentiert werden könnten. Dabei sei es auch um die Frage gegangen, wie das Museum ein Verständnis für Migrations- und Integrationsgeschichte gerade bei Kindern und Jugendlichen vermitteln kann.

Das Deutsche Auswandererhaus steht nahe der Außenweser in Bremerhaven an einem historischen Ort: Hier haben zwischen 1830 und 1974 rund 7,2 Millionen Menschen das europäische Festland verlassen, oft als Wirtschaftsflüchtlinge. Sie sahen in ihrer Heimat keine Perspektive mehr und wollten sich hauptsächlich in den USA eine neue Existenz aufbauen. Seit einigen Jahren beschäftigt sich das Haus auch intensiv mit der Frage der Einwanderung nach Deutschland. 2007 wurde das Deutsche Auswandererhaus als Europas Museum des Jahres prämiert.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen