Diakonie: Pflegenotstand wird kollektiv verdrängt

Nachricht 03. März 2017
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Eine Mitarbeiterin eines ambulanten Pflegedienstes misst einer Patientin den Blutzuckerwert. Bild: Werner Krüper/epd-bild

Hannover. Die hannoversche Diakonie fordert mehr Aufmerksamkeit für die Probleme in der Pflege. "Wir haben einen Pflegenotstand und der wird kollektiv verdrängt", sagte Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes am Donnerstag in Hannover. Eigentlich müsse dies genauso wie die generelle Frage, wie man altern wolle "ein Megathema unserer Gesellschaft sein, aber ich höre keine Diskussion darüber". Müller-Brandes ist Leiter des Diakonischen Werkes Hannover.

Die Finanzierung der stationären Pflege in Niedersachsen sei die schlechteste in ganz Westdeutschland, kritisierte Müller-Brandes. Die Landesregierung müsse hier mehr tun. Zudem müsse der Beruf des Pflegers attraktiver werden, forderte er. "Wir suchen händeringend Pflegekräfte." Die Diakonie versuche mit ambulanter Pflege in speziellen Quartiersprojekten gegenzusteuern. Ältere könnten so länger in ihren Wohnungen leben.

Auch die soziale Schere gehe im Alter immer weiter auseinander, ergänzte Sozialpädagogin Jutta Schulte. "Wir erleben zwei Gesichter des Alters." Zum einen existierten Probleme wie Altersarmut, Einsamkeit und Pflegenotstand. Zum anderen gebe es viele Senioren mit hohen Renten, die oft auch ehrenamtlich engagiert seien. So beteiligten sich viele Ältere an Diakonie-Projekten wie dem Partner-Besuchsdienst in Altenheimen oder dem Großelterndienst, bei dem Senioren als "Wunschgroßeltern" Familien ohne leibliche Großeltern unterstützen können.

Dies habe die hannoversche Diakonie auch zum Anlass genommen, ihre bisherige Abteilung "Offene Altenarbeit" in "Abteilung Seniorenarbeit und Ehrenamt" umzubenennen. Früher sei bei diakonischer Altenarbeit oft der Gemeinschaftsgedanke zentral gewesen, erläuterte Schulte, die die Abteilung leitet. Typisch seien regelmäßige Seniorenkreise mit Vorträgen gewesen. Die heutige Seniorengeneration habe aber andere Bedürfnisse. "Sie wollen sich selbst beteiligen, ihre Kompetenzen einbringen und fordern Fortbildungen." Altenarbeit werde zwar immer vielfältiger. Gleichzeitig dürfe es keine Verherrlichung der "neuen fitten Alten" geben, warnte sie.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen