Theologin Käßmann für Gedenkort an Berliner Terroropfer

Nachricht 20. Januar 2017

Berlin/Hannover. Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat sich für einen Erinnerungsort an die Opfer des Terroranschlages in Berlin ausgesprochen. "Ich fände gut, wenn am Breitscheidplatz der Namen gedacht würde, weil die Menschen diesen Platz damit auch in Erinnerung bringen", sagte Käßmann am Dienstag dem Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen in Hannover. Am 19. Dezember 2016 war der Attentäter Anis Amri mit einem Lkw auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatzplatz gerast. Dabei wurden zwölf Menschen getötet und etwa 50 teils schwer verletzt.

Auch der Gemeindepfarrer der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Martin Germer, hatte am Dienstag dafür geworben, dass es auf dem Gelände der Kirche künftig einen zentralen Ort der Trauer geben soll. Wann und von wem über einen geeigneten Platz entschieden werde, müsse sich noch aus Gesprächen ergeben, sagte er.

Käßmann, die in Berlin lebt, sagte, sie sei einige Tage nach dem Terroranschlag am Breitscheidplatz gewesen. Der Weihnachtsmarkt sei wieder geöffnet gewesen und die Menschen hätten das normale Leben wieder aufgenommen, sagte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Ich finde das auch richtig, weil das die richtige Antwort auf Terror ist, aber dennoch war da der Ort, an dem Blumen und Kerzen lagen und erinnert wurde." Sie warb auch für ein gemeinsames Gedenken, damit Einzelne nicht mit ihren Ängsten und Sorgen, der Trauer und dem Schock zurückblieben. Dabei müssten die Opfer im Mittelpunkt stehen.

Tausende Menschen haben nach Angaben der evangelischen Gemeinde in den vergangenen vier Wochen vor der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche der Opfer des Terroranschlags gedacht. Etwa 7.000 bis 10.000 Menschen hätten Kerzen und Blumen sowie mehr als 700 Plakate und Briefe niedergelegt, sagte Germer. Diese wolle der Senat zu einem Buch binden lassen. Bis Donnerstag haben Besucher auch noch Gelegenheit, sich in das in der Kirche ausliegende Kondolenzbuch einzutragen. Anschließend soll es in der Gedächtniskirche aufbewahrt werden.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Weitere Informationen

Das Interview mit Margot Käßmann wurde am Mittwoch gegen 18.35 Uhr auf Antenne Niedersachsen im Radio ausgestrahlt

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