Diakonie übt scharfe Kritik an "Pegida"-Bewegung - Kirchliche Sozialverbände stellen Broschüre für ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit vor

Nachricht 14. Dezember 2014

Hannover/Hildesheim (epd). Die niedersächsische Diakonie hat scharfe Kritik an der islamkritischen Bewegung "Pegida" geübt. "Von einer Islamisierung des Abendlandes zu sprechen ist schlicht dummes Zeug", sagte der Vorstandssprecher des evangelischen Sozialverbandes, Christoph Künkel, am Montag in Hannover. Er stellte gemeinsam mit der katholischen Caritas eine neue Broschüre für Ehrenamtliche in der kirchlichen Flüchtlingsarbeit vor.

Die "Pegida"-Bewegung vereinfache ein vielschichtiges Problem und mache sich eine Stimmung zunutze, "die genau dem entgegengesetzt ist, für das wir uns einsetzen", betonte Künkel. Muslime und Flüchtlinge seien in Deutschland eine Minderheit. "Die Stimmung in der Bevölkerung ist Gott sei Dank eine ganz andere", unterstrich der Diakonie-Sprecher. Viele Menschen setzten sich für Flüchtlinge ein und hätten schlicht keine Zeit, auch noch auf die Straße zu gehen.

Die Broschüre "Flüchtlinge in Niedersachsen. Was kann ich tun?" soll in einer Auflage von 10.000 Exemplaren ehrenamtlichen Helfern Tipps für den Umgang mit Flüchtlingen an die Hand geben. Die Themen reichen von rechtlichen Fragen über den Umgang mit traumatisierten Menschen bis zur Unterbringung von Flüchtlingskindern in Schulen und Kindergärten. Die Aufnahme von rund 200.000 Flüchtlingen in diesem Jahr in Deutschland bezeichnete Künkel als "machbar". Deutschland nehme im weltweiten Maßstab nur 0,25 Prozent aller Flüchtlinge auf.

Caritas-Direktor Hans-Jürgen Marcus aus Hildesheim sagte, die Frage der Flüchtlinge berühre unmittelbar die Identität des christlichen Glaubens. Deshalb ließen sich so viele Christen dafür mobilisieren. "Die Bibel ist ein Flüchtlingsbuch", betonte Marcus. Das werde demnächst an Weihnachten wieder deutlich. Ohne Flucht und Vertreibung sei die christliche Tradition nicht zu verstehen.

Laut Künkel engagieren sich allein in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der größten in Niedersachsen, mindestens hundert Initiativen mit bis zu 4.000 Ehrenamtlichen für Flüchtlinge. Die Kirche stelle in den nächsten beiden Jahren rund 1,7 Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung, davon 300.000 Euro für Initiativen in Afrika und Asien.

Marcus zufolge gibt es in der katholischen Kirche in Niedersachsen ebenso viele Initiativen. Das katholische Bistum Hildesheim habe einen Notfallfonds für Flüchtlinge in Höhe von rund 800.000 Euro aufgelegt. Vordringlich seien die Hilfe für Schwangere, die Gesundheitsversorgung für Menschen ohne Papiere und die Hilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

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