Religionsvertreter in Wolfsburg rücken gegen Extremismus zusammen

Nachricht 05. Dezember 2014

Wolfsburg (epd). Zwei Wochen nach der Festnahme eines mutmaßlichen IS-Kämpfers in Wolfsburg haben sich Religionsvertreter und die Stadt gemeinsam gegen Extremismus gewandt. Er wolle mit neun Repräsentanten der evangelischen und katholischen Kirche, von Moscheen und islamischen Verbänden in den kommenden Wochen eine sogenannte Wolfsburger Erklärung erarbeiten, sagte Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) am Freitagabend nach einem gemeinsamen Gespräch. "Es ist uns ganz wichtig damit bestehende Ängste zu nehmen."

Unter den Bürgern bestehe die Sorge, dass extremistische Strömungen "das Klima vergiften", sagte Mohrs. "Da können und wollen wir gegenwirken." Seit der Verhaftung werde teilweise die Angst vor Muslimen geschürt. Diese hätten umgekehrt die Sorge, ausgegrenzt zu werden. Insgesamt gebe es in Wolfsburg bis zu 15 Jugendliche, die zur extremistischen Szene gerechnet werden müssten. "Das ist schlimm, aber gleichzeitig eine verschwindend geringe Zahl."

Die extremistischen Strömungen kämen nicht aus den Moscheen in Wolfsburg, betonte Mohrs. Die Gläubigen dort sprächen sich in den Predigten gegen den Krieg, gegen Intoleranz aus und würben für ein Miteinander. Extremismus von Einzelnen werde eher im privaten Umfeld und im Internet "sehr stark gepuscht"

Diejenigen, die sich im extremistischen Umfeld bewegten zurückzuholen, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, unterstrich der Politiker. Damit Menschen nicht in den Extremismus getrieben werden, müssten sich religiöse und staatliche Organisationen entschieden gegen Ausgrenzung wenden. "Wir müssen so viel wie möglich mit jungen Menschen sprechen." Vor allem Lehrer in Schulen und auch Arbeitgeber müssten zukünftig für Auffälligkeiten sensibilisiert werden.

Die evangelische Superintendentin Hanna Löhmansröben betonte, dass es in Wolfsburg bereits ein gutes Miteinander der Religionen gebe. Seit dem vergangenen Jahr gebe es beispielsweise ein gemeinsames Gesprächsforum und zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen. Die Erklärung sei eine Möglichkeit, den Muslimen zu zeigen, dass sie nicht pauschal abgeurteilt würden: "Extremismus ist religiöser Missbrauch." Noch vor Weihnachten soll es weitere Gespräche geben.

Vor zwei Wochen hatte die Polizei einen Syrien-Heimkehrer und mutmaßlichen Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat" in Wolfsburg festgenommen. Der 25-Jährige soll dem Landeskriminalamt zufolge während seines dreimonatigen Auslandsaufenthaltesin Ausbildungslagernn mit Waffen und Sprengstoff trainiert haben. Dort soll er sich der Terrorgruppe angeschlossen haben, um sich an Kämpfen in Syrien und dem Irak zu beteiligen. Der Festgenommene befindet sich der Staatsanwaltschaft Hannover derzeit in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, auch sein Anwalt habe sich bisher noch nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte ein Sprecher am Freitag dem epd.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen