Neues Angebot in der St.-Andreas-Kirche während der Adventszeit

Nachricht 23. November 2014

Die Kraft der Stille über Hildesheim

Hildesheim. Die Stille hat eine besondere Kraft. Menschen suchen sie, um besser zu sich zu finden. Oder sie benutzen sie – wie in Schweigemärschen – als wortlose, aber dennoch viel sagende Stellungnahme. Doch wie fühlt sich das Schweigen in 28 Metern Höhe an? Bei der Reihe „Stille über die Stadt“, die am 1. Dezember beginnt, kann man es herausfinden.

Pastor Leif Mennrich und Pastorin Nora Steen erneuern damit ein Angebot, das sie im vorigen Jahr während der Adventszeit erstmals erprobt haben: An jedem Montag im Advent, immer um 19 Uhr, laden sie in den Turmraum der St.-Andreas-Kirche ein. Er liegt auf der ersten Zwischenebene des höchsten Kirchturms Norddeutschlands, 130 Stufen sind zu bewältigen. Es ist ein großer, offener Raum mit Parkettfußboden und rohen Ziegelwänden. Wenn man durch die Fenster blickt, liegt Hildesheim zu Füßen. „Gleichzeitig in der Stadt sein – und doch der Stadt enthoben“, beschreibt Leif Mennrich das Gefühl dort oben.
 
„Es ist eigentlich ein ganz schlichtes Angebot“, sagt der Pastor. Die Besucherinnen und Besucher erwartet keine klassische Andacht, erst recht kein Gottesdienst, sondern in erster Linie ein gemeinschaftliches Schweigen. Das kann genutzt werden, um in sich und in die Stadt hineinzulauschen. Die Geräusche Hildesheims treten im Andreasturm etwas zurück, sind aber dennoch stets präsent. Vor der Stille gibt es eine kurze Einführung, wie man die Schweigezeit nutzen kann, zum Abschluss folgen ein Gebet und der Segen. 20 Minuten dauert das Ganze, länger nicht. Wer möchte, kann aber noch ein bisschen bleiben, um sich bei Tee oder Punsch mit den PastorInnen oder anderen Gästen auszutauschen.
 
„Es soll ein offenes Angebot sein – auch für Menschen, die mit kirchlichen Formen nicht vertraut sind“, betont Nora Steen. „Im Prinzip geht es darum, sich selbst wahrzunehmen“, beschreibt sie das Konzept. „Wir stellen uns in den Raum Gottes, dazu braucht es nicht viele Worte.“
 
„Die Kraft der Stille“ habe sie im Kloster kennen gelernt, sagt die vom „Wort zum Sonntag“ bekannte TV-Pastorin, die auch im Kloster Wülfinghausen aktiv war. Das Schweigen setzte neue Möglichkeiten frei, sagt Nora Steen. Und: „Wenn wir bewusst auf etwas verzichten, was unser Leben bestimmt, wird vielleicht klar, wo etwas fehlt.“ Die Besucherinnen und Besucher bekommen beim Abschied einen kleinen Impuls mit, wie sie auch zu Hause eine stille Zeit gestalten können.
 
„Es steckt auch die Erfahrung darin, dass Stille etwas Heilsames hat“, fügt Leif Mennrich hinzu. Damit meint er nicht nur die Teilnehmenden, sondern versteht das Angebot als „Stille in der Stadt und für die Stadt“.
 
Wer daran teilnehmen möchte, sollte pünktlich am Eingang zum Turmaufstieg sein (Nordseite von St. Andreas). Leif Mennrich: „Um 19 Uhr schließen wir unten die Tür, dann kommt man nicht mehr hoch.“ Die Termine: 1., 8., 15. und 22. Dezember.