Dialogpredigt Politik und Kirche am Buß- und Bettag

Nachricht 18. November 2014

Hannover (epd). Die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) hat die Politik für ihr Streben nach Macht verteidigt. Der Wunsch nach Machterhalt bei der Regierung und der nach Machtgewinn für die Opposition sei "ein auf der Hand liegender und legitimer Antrieb", sagte die Politikerin in einem Gottesdienst zum Buß- und Bettag in Hannover. Zentral sei jedoch die Frage, wofür die Macht eingesetzt und angestrebt werde. Die Ministerin predigte im Dialog mit der hannoverschen Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann.

Es für jeden Einzelnen darum, Formen und Regeln und die innere Einstellung immer wieder zu hinterfragen, mahnte die Ministerin. Zuhörer merkten, dass eine Politik nicht echt sei, wenn auf der einen Seite eine Willkommenskultur für Flüchtlinge beschworen werde, andererseits jedoch argumentiert werde, ein Flüchtlingsheim um die Ecke entspreche nicht dem Bebauungsplan.

Die evangelische Landessuperintendentin Spieckermann sagte in dem Gottesdienst in der Neustädter Hof- und Stadtkirche, sie wünsche sich mehr offene politische Kontroverse. Der Bußtag sei eine Erinnerung, sich nicht als "Allesmacher, Alleskönner und Egomanen" zu verstehen. Er rufe jeden Einzelnen zu Demut auf, sagte Spieckermann. Kirche und Staat sollten sich gemeinsam für Schwache in der Gesellschaft einsetzen.

Der Buß- und Bettag thematisiert die Frage der Schuld und des christlichen Umgangs mit ihr in Buße, Beichte und Gebet. 1532 im reformatorischen Straßburg offiziell eingeführt, wurde der Feiertag 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen ersatzlos gestrichen. Die evangelische Kirche bezeichnet die Abschaffung bis heute als Fehlentscheidung.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen