Neuveröffentlichung zur kirchlichen Gedenkstättenarbeit

Nachricht 16. November 2014
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Autor Harald Richter und Herausgeberin Dr. Hannegreth Grundmann bei der Buchpräsentation "Hinabgestiegen in das Reich des Todes" am Volkstrauertag. Foto: Klaus-Uwe Nommensen.

Unter dem Titel „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ ist im Lutherischen Verlagshaus eine Neuveröffentlichung zur Rolle der Kirche in der NS-Zeit und zur  kirchlichen Gedenkstättenarbeit erschienen. Harald Richter, heute 87jährig und Ruhestandspastor in der Nordkirche, beschreibt darin die Aufarbeitung der NS-Geschichte in der Kirchengemeinde Ladelund nahe der dänischen Grenze. Am Volkstrauertag wurde das Buch vorgestellt.

Richter war dort in den Jahren 1958 bis 1992 Pastor und Nachfolger von Pastor Johannes Meyer. Die NS-Diktatur hatte in Ladelund im November 1944 für 2000 Häftlinge ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme eingerichtet. Unter ihnen Jungen und Männer aus dem niederländischen Ort Putten, Opfer einer Vergeltungsrazzia der deutschen Wehrmacht nach einem Anschlag auf ein deutsches Militärfahrzeug.
 
Johannes Meyer war damals Pastor in der nordfriesischen Gemeinde. Die Begegnung mit dem Grauen des Lagers stellte seinen Glauben an die nationalsozialistische Ideologie in Frage. Auf Geheiß des Lagerkommandanten beerdigte Meyer die 300 Toten des Lagers, jedoch nicht anonym. Er hielt ihre Namen in den Kirchenbüchern fest, recherchierte ihre Herkunft und nahm Kontakt zu deren Angehörigen auf.
 
Im Herbst 1950 kamen 130 Angehörige aus Putten nach Ladelund, um mit Pastor Meyer und einigen wenigen Ladelunder Gemeindegliedern an den Gräbern und in einem Gottesdienst in der Kirche der Toten zu gedenken. Dieser Besuch wurde als der offizielle Beginn der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund gewertet, eine der ältesten in Deutschland. Sie ist seit ihren Anfängen eine Einrichtung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde.
 
Als junger Hilfsprediger wohnte Harald Richter zunächst mit Johannes Meyer unter einem Dach, später begleitete er seinen Vorgänger. Seither versucht Richter zu verstehen, wie es möglich sein konnte, „dass er, Johannes Meyer, ein gläubiger Christ, Nationalsozialist wurde“. Richters Fragen und die Motivation für sein nun erschienenes Buch zielen darauf, „Pastor Meyer gerecht zu werden, ihn zu verstehen“.
 
„Intensiv und einfühlsam beschreibt Harald Richter Meyers Prägungen und setzt sich ausführlich mit der Theologie Meyers auseinander“, würdigte Dr. Stephan Link, Historiker und Gedenkstättenbeauftragter der Nordkirche, das Buch Richters. Richter sei es damit gelungen, „Unsicherheit und Zweifel im Herzen Pastor Meyers anschaulich zu machen“, erklärte Henk Lambooij, der Bürgermeister Puttens.
 
Richters „unermüdlichem und bestimmten Einsatz ist es zu verdanken, dass über den Grabstätten des Außenlagers Ladelund in den 70 Jahren seit dem November 1944 eine beispielhafte Geschichte der Versöhnung gewachsen ist“ würdigte Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein dieses Engagement.
 
Herausgeberin des Buches ist Dr. Hannegreth Grundmann, Tochter Harald Richters, Pastorin und Pressesprecherin im Sprengel Ostfriesland-Ems. Grundmann und das Lutherische Verlagshaus haben den Flensburger Künstler Uwe Appold gebeten, an dem Buch mitzuwirken. Er hat einen Zyklus von 12 Bildern zum Psalm 84 geschaffen. Diesen Psalm sangen die Männer von Putten, als sie von der Wehrmacht weggeführt wurden. Für die Bilder hat Appold Erde aus Putten und aus Ladelund verwendet. Sechs der Bilder schenkt er der Gemeinde Putten, sechs der Kirchengemeinde Ladelund. Dies wurde bei der Präsentation des Buches mit Handschlag vereinbart. Ausschnitte der Bilder durchziehen das Buch. Der gesamte Zyklus ist am Ende des Buches abgedruckt.
 
 
Klaus-Uwe Nommensen, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Nordfriesland