Bischof Meister: Kirche muss sich in politischen Fragen zu Wort melden

Nachricht 09. November 2014

Hannover (epd). Die evangelische Kirche muss nach Ansicht des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister auch in politischen Fragen ihre Stimme erheben. Zum Beispiel in der Debatte um die Gesetzgebung zur Sterbehilfe sei die Kirche "eine der wichtigsten Stimmen in der gesellschaftlichen Diskussion", sagte Meister anlässlich der Jahrestagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden im Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Montagsausgabe).

"Die Position der EKD formuliert recht eindeutig, dass jede Form organisierter Sterbehilfe verboten werden sollte", sagte der evangelische Bischof. Gesetze reichten jedoch nicht aus, wenn es darum gehe, Sterbenden ihre Würde bis zum Schluss zu wahren. Wichtig seien eine menschliche Begleitung und eine weitere Sensibilisierung für den Umgang mit Krankheit und Endlichkeit. "Eine Gesellschaft, die ihre intensive Mitsorge für jedes einzelne Leben, auch in der Phase des Sterbens, aufgibt, verliert ihre Menschlichkeit und ihren inneren Zusammenhang."

Auch im interreligiösen Dialog sei die Kirche wichtiger Ansprechpartner für die Politik und andere Religionsgemeinschaften, sagte der Bischof. Gegen einen religiösen Fundamentalismus und eine Radikalisierung, für die etwa die Terrormiliz Islamischer Staat stehe, seien Bildung und Aufklärung wichtig: "Es ist eine soziale Frage, wie es uns - allen gesellschaftlichen Akteuren - gelingt, junge Leute mit guten Zukunftsperspektiven zu erreichen und sie gegen Radikalisierung zu wappnen."

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